Bitcoin Prognose: Yen-Carry-Trade schürt Panik

Bitcoin startet erneut schwach in die Woche. Am Montagmorgen verliert die größte Kryptowährung rund ein Prozent und fällt wieder unter die Marke von 63.000 US-Dollar. Damit fehlen weiterhin Momentum, Dynamik und eine überzeugende Gegenbewegung. Besonders auffällig: Die Aktienmärkte tendieren deutlich fester, nachdem Donald Trump vorerst auf weitere Angriffe gegen den Iran verzichtet und neue Gespräche in Aussicht gestellt hat.
Der Kryptomarkt kann von dieser Entspannung jedoch kaum profitieren. Bitcoin notiert aktuell bei rund 62.700 US-Dollar. Gleichzeitig rückt ein anderes makroökonomisches Risiko in den Vordergrund: die mögliche Auflösung des Yen-Carry-Trades.
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Was ist der sogenannte Yen-Carry-Trade?
Beim Yen-Carry-Trade leihen sich Investoren Kapital in japanischen Yen, weil die Zinsen in Japan traditionell deutlich niedriger sind als in vielen anderen Industrieländern. Anschließend tauschen sie die geliehenen Yen beispielsweise in US-Dollar und investieren das Geld in höher verzinste oder renditestärkere Anlagen. Dazu können US-Staatsanleihen, Aktien, Unternehmensanleihen, Schwellenländerwährungen oder Kryptowährungen gehören.
Profitabel ist das Modell, solange die Finanzierungskosten niedrig bleiben und der Yen gegenüber der Zielwährung nicht stark aufwertet. Steigt der Yen jedoch plötzlich, wird die Rückzahlung der Kredite teurer. Gehebelte Marktteilnehmer können dann gezwungen sein, ihre Positionen in Aktien, Bitcoin oder anderen Risikoanlagen zu verkaufen und Yen zurückzukaufen.
Genau dieser Mechanismus kann eine Abwärtsbewegung beschleunigen. Aus einem normalen Währungsanstieg wird im Extremfall eine globale Entschuldungswelle, weil viele Investoren gleichzeitig ihre Carry-Trades schließen. Entscheidend ist daher nicht allein die Richtung des Yen, sondern die Geschwindigkeit seiner Aufwertung.
Analyst warnt: Fallender USD/JPY-Kurs könnte Volatilität auslösen
Der Krypto-Analyst „That Martini Guy“ sieht den Yen-Carry-Trade deshalb erneut als eines der wichtigsten Makrothemen für Bitcoin. Hintergrund ist die abrupte Bewegung beim Währungspaar USD/JPY. Der Dollar war zuvor zeitweise bis in den Bereich von fast 164 Yen gestiegen. Nach einer koordinierten Intervention Japans und der USA fiel der Kurs innerhalb weniger Tage zeitweise bis in die Zone zwischen 155 und 157 Yen. Eine solche Bewegung entspricht einer deutlichen Aufwertung der japanischen Währung.
Berichten zufolge setzte Japan für die Stützung des Yen rund 8,45 Billionen Yen beziehungsweise etwa 52,8 Milliarden US-Dollar ein. Die USA beteiligten sich ebenfalls an der seltenen koordinierten Intervention. Das Ziel bestand darin, den zuvor massiv geschwächten Yen zu stabilisieren und spekulative Bewegungen einzudämmen.
Nach Einschätzung des Analysten wird es für Risikoanlagen problematisch, falls USD/JPY weiter deutlich fällt. Denn ein sinkender Wechselkurs bedeutet einen stärkeren Yen. Damit könnten Investoren beginnen, fremdfinanzierte Positionen zu reduzieren und Kapital aus Aktien sowie Kryptowährungen abzuziehen.
Der Analyst betont allerdings, dass Bitcoin deshalb nicht zwangsläufig weiter fallen müsse. Die Entwicklung sei zunächst ein Risikofaktor und kein sicheres Verkaufssignal. Entscheidend bleibe, ob die Yen-Aufwertung anhält und tatsächlich eine größere Auflösung gehebelter Positionen auslöst. Ohne weitere Zinserhöhungen der Bank of Japan oder sinkende US-Zinsen könnte die Wirkung der Intervention zudem begrenzt bleiben.
Für Bitcoin ist USD/JPY damit kurzfristig eine wichtige Makrometrik. Setzt sich der starke Rückgang fort, dürfte die Volatilität am Kryptomarkt steigen – gerade weil Bitcoin derzeit ohnehin kaum relative Stärke zeigt.
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Analyst erwartet nach schwachem Montag eine Erholung
Der Krypto-Analyst Michaël van de Poppe rechnet in dieser Woche zunächst mit einem typischen schwachen Wochenstart. Der Rücksetzer am Montag komme für ihn daher nicht überraschend. Ab Dienstag könnte sich das Bild jedoch aufhellen. Als mögliche Kurstreiber nennt er weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Yen sowie einen anhaltend schwächeren US-Dollar. Beides könnte die globale Liquidität verbessern und Risikoanlagen wie Kryptowährungen unterstützen.
Für Bitcoin, Ethereum und den breiteren Altcoin-Markt wäre dann eine Gegenbewegung denkbar. Zusätzlichen Rückenwind erwartet van de Poppe, falls es Fortschritte beim US-amerikanischen Clarity Act gibt. Eine mögliche Zustimmung könnte nach seiner Einschätzung besonders Ethereum und Altcoins stärken. Insgesamt bleibt sein Wochenausblick damit kurzfristig vorsichtig, für den weiteren Verlauf jedoch grundsätzlich optimistisch.