Binance-Gründer CZ nach Coldcard-Hack: „Nichts ist mehr sicher“

Der Kryptomarkt wird derzeit nicht nur von fallenden Kursen, sondern auch von einem der schwerwiegendsten Wallet-Sicherheitsvorfälle der vergangenen Jahre erschüttert. Im Mittelpunkt steht Coldcard, eine bekannte Hardware-Wallet für Bitcoin, die eigentlich besonders sichere Selbstverwahrung ermöglichen soll.
Eine Schwachstelle in älteren Firmware-Versionen führte jedoch offenbar dazu, dass bestimmte Recovery-Seeds nicht mit ausreichend zufälligen Daten erzeugt wurden. Angreifer konnten dadurch potenziell private Schlüssel rekonstruieren, ohne direkten Zugriff auf die Geräte zu besitzen.
Das tatsächliche Ausmaß wächst dabei nahezu stündlich. Galaxy Research identifizierte inzwischen drei Angriffswellen, bei denen insgesamt rund 1.367 Bitcoin aus 4.585 Adressen abgezogen wurden. Zum damaligen Bitcoin-Kurs entsprach dies einem Schaden von rund 88,6 Millionen US-Dollar.
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Allein die erste Angriffswelle erfasste 1.196 Adressen und bewegte innerhalb von nur 41 Minuten mehr als 1.082 Bitcoin. In späteren Wellen wurden zunehmend kleinere Wallets geleert, wodurch deutlich wurde, dass der Angreifer systematisch eine große Zahl potenziell kompromittierter Seeds abarbeitet.
Der Vorfall trifft einen ohnehin angeschlagenen Markt besonders hart. Hardware-Wallets gelten für viele langfristige Investoren als sicherste Form der Aufbewahrung. Dass nun ausgerechnet eine Schwäche bei der Erstellung der Schlüssel massive Verluste verursacht, erschüttert das Vertrauen in ein zentrales Sicherheitsversprechen der Kryptoindustrie.
CZ warnt: Auch Hardware-Wallets bieten keine hundertprozentige Sicherheit
Der frühere Binance-Chef und Unternehmensgründer Changpeng Zhao, besser bekannt als CZ, reagierte deutlich auf den Coldcard-Vorfall. Seine zentrale Botschaft: Selbst Hardware-Wallets können Fehler enthalten – und auch Produkte, die bereits seit Jahren auf dem Markt sind, dürfen nicht automatisch als vollständig sicher betrachtet werden. Nutzer sollten sich daher nicht allein auf die Reputation eines Herstellers oder die lange Historie eines Geräts verlassen.
CZ schlägt als mögliche Schutzmaßnahme vor, größere Bestände auf mehrere Wallets aufzuteilen. Dahinter steht das Prinzip der Risikostreuung. Befinden sich sämtliche Bitcoin auf einer einzigen Wallet und ist deren Seed, Firmware oder Lieferkette kompromittiert, droht im schlimmsten Fall ein vollständiger Verlust. Werden die Bestände dagegen auf verschiedene Wallets verteilt, begrenzt ein einzelner Sicherheitsfehler zumindest den möglichen Schaden.
Allerdings betont CZ zugleich, dass auch diese Strategie neue Risiken erzeugt. Mehr Wallets bedeuten mehr Recovery-Seeds, Passphrasen und Backups, die sicher verwahrt werden müssen. Dadurch steigt die Gefahr menschlicher Fehler: Seeds können verloren gehen, verwechselt, falsch gesichert oder unabsichtlich offengelegt werden. Eine Aufteilung ist deshalb nur sinnvoll, wenn Nutzer ein sauberes und nachvollziehbares Sicherheitskonzept besitzen.
Seine Aussage „Nothing is 100%“ fasst die entscheidende Lehre des Vorfalls zusammen. Hardware-Wallets reduzieren bestimmte Risiken, eliminieren sie aber nicht vollständig. Im aktuellen Coldcard-Fall lag das Problem offenbar bereits bei der Erzeugung der Seed-Wörter. Ein späteres Firmware-Update kann verhindern, dass neue unsichere Seeds entstehen, macht bereits kompromittierte Seeds jedoch nicht automatisch wieder sicher. Betroffene Nutzer müssen deshalb neue Schlüssel mit einer nachweislich sicheren Methode erzeugen und ihre Bitcoin auf neue Adressen übertragen.
CZ fordert damit keine Abkehr von Selbstverwahrung. Vielmehr warnt er vor falscher Sicherheit: Entscheidend sind Diversifikation, aktuelle Software, sichere Seed-Erzeugung und regelmäßige Informationen über mögliche Schwachstellen.
Das müssen betroffene Coldcard-Nutzer jetzt dringend beachten
Betroffene sollten nicht überstürzt handeln, sondern zunächst prüfen, welches Coldcard-Modell und welche Firmware-Version bei der Seed-Erstellung verwendet wurden. Besonders gefährdet sind Seeds, die auf einer Mk3 mit Firmware 4.0.1 oder neuer ohne mindestens 50 unabhängige, private Würfelwürfe erzeugt wurden. Hier empfiehlt Coldcard eine sorgfältige Migration auf eine vollständig neue Wallet.
Bei Mk4- und Mk5-Geräten mit einer Firmware unter Version 5.6.0 sowie bei Coldcard Q unter 1.5.0Q sollte zuerst die Firmware aktualisiert werden. Anschließend muss ein neuer Seed erzeugt und das Guthaben auf daraus abgeleitete, neue Adressen übertragen werden. Ein bloßes Firmware-Update schützt bereits bestehende, möglicherweise schwache Seeds nicht nachträglich.
Wichtig ist, den neuen Seed unabhängig und offline zu erstellen. Die alten Recovery-Wörter dürfen nicht weiterverwendet oder in digitale Geräte eingegeben werden. Zudem sollten Nutzer zunächst eine kleine Testtransaktion durchführen und erst danach den vollständigen Bestand kontrolliert übertragen.
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