Wie 2019: Keiner will mehr Kryptowährungen

Der Kryptomarkt steckt weiterhin in einem tiefen Bärenmarkt. Bitcoin notiert rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch, während Ethereum mittlerweile mehr als 60 Prozent verloren hat. Bei großen Altcoins wie Solana oder XRP belaufen sich die Rückgänge teilweise auf 70 bis 80 Prozent. Ausgewählte kleinere Projekte liegen sogar mehr als 90 Prozent unter ihren Höchstständen.
Gleichzeitig fehlt dem Markt nahezu jede Dynamik: Handelsaktivität, öffentliche Aufmerksamkeit und Risikobereitschaft sind eingebrochen. Selbst kleinere Kurserholungen werden schnell wieder verkauft. Kryptowährungen wirken derzeit wie ein vergessenes Investmentthema. Genau diese vollständige Kapitulation könnte jedoch an eine frühere Marktphase erinnern.
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Krypto wie 2019: Warum der tote Markt auch Hoffnung macht
Nach Einschätzung des bekannten Kryptoanalysten Michaël van de Poppe erinnert die aktuelle Situation stark an das Jahr 2019. Auch damals fühlte sich der Kryptomarkt wie eine Geisterstadt an. Nach dem Platzen der großen ICO-Blase waren Bitcoin und zahlreiche Altcoins massiv eingebrochen. Viele Anleger hatten das Interesse verloren, Medien berichteten kaum noch über digitale Assets und selbst innerhalb der Community wurde grundsätzlich infrage gestellt, ob Kryptowährungen überhaupt noch einen langfristigen Nutzen besitzen.
Genau diese Fragen würden heute erneut gestellt. Braucht die Welt tatsächlich Tausende Token? Haben dezentrale Netzwerke einen echten Mehrwert? Oder war der gesamte Markt lediglich eine spekulative Blase? Van de Poppe sieht diese Zweifel jedoch weniger als Beweis für das endgültige Scheitern der Branche, sondern vielmehr als typisches Merkmal einer späten Bärenmarktphase. Sobald die Kurse über lange Zeit fallen und schnelle Gewinne verschwinden, zieht sich die breite Masse zurück.
Dies zeigt sich besonders deutlich in den sozialen Medien. Daten von The Tie zufolge ist die Zahl der Beiträge zu Bitcoin und Ethereum auf X stark eingebrochen. Während während des Bullenmarktes zeitweise mehrere Hunderttausend Beiträge pro Woche veröffentlicht wurden, bewegt sich das Diskussionsvolumen inzwischen in der Nähe mehrjähriger Tiefstände. Die Aufmerksamkeit für Bitcoin ist damit auf ein Niveau gefallen, das teilweise sogar unter den Werten von 2019 liegt.
Für Van de Poppe bedeutet die geringe Aufmerksamkeit allerdings nicht, dass die fundamentale Entwicklung aufgehört hat. Im Gegenteil: Im Hintergrund arbeiten heute wesentlich mehr Entwickler, Unternehmen und institutionelle Akteure an Blockchain-Infrastruktur als noch 2019. Bereiche wie Stablecoins, tokenisierte reale Vermögenswerte, dezentrale Finanzanwendungen und internationale Zahlungssysteme sind deutlich weiter entwickelt.
Der Analyst argumentiert zudem, dass die Nachfrage nach alternativen Finanzsystemen bestehen bleibt, solange traditionelle Systeme als teuer, ineffizient oder manipulierbar wahrgenommen werden. Neue Krypto-Narrative dürften deshalb entstehen, während bestehende Konzepte technisch verbessert werden. Ein direkter Kursanstieg lässt sich daraus zwar nicht ableiten. Historisch waren Phasen maximaler Langeweile und grundsätzlicher Zweifel jedoch häufig genau jene Zeiträume, in denen langfristig orientierte Entwickler und Investoren die Grundlage für den nächsten Marktzyklus geschaffen haben.
Bitcoin-Stimmung fällt auf historischen Tiefpunkt
Wie extrem die aktuelle Unsicherheit inzwischen ausfällt, zeigen neue Daten von Santiment. Demnach erreichte das Verhältnis positiver zu negativer Bitcoin-Kommentare auf Plattformen wie X, Reddit und Telegram den niedrigsten Wert seit Beginn der modernen Social-Media-Auswertung des Unternehmens. Auf einen bullischen Kommentar kamen zuletzt nur noch rund 0,58 positive Beiträge je negativem Kommentar. Die Angst dominiert die öffentliche Diskussion damit so deutlich wie nie zuvor im erfassten Zeitraum.
Auslöser dieser außergewöhnlich schlechten Stimmung ist insbesondere der mutmaßliche Coldcard-Firmware-Exploit. Dieser Vorfall trifft einen besonders sensiblen Bereich des Kryptomarktes: die Selbstverwahrung. Während frühere Krisen häufig zentralisierte Börsen, riskante Handelsplattformen oder fehleranfällige Bridges betrafen, galt eine Cold Wallet für viele Anleger als letzte und besonders sichere Verteidigungslinie. Genau dieses Vertrauen wird nun infrage gestellt. Dadurch geht die psychologische Wirkung weit über die bislang bekannte Schadenshöhe hinaus.
Santiment betont, dass die unmittelbaren finanziellen Dimensionen früherer Ereignisse wie der FTX-Pleite, des Mt.-Gox-Zusammenbruchs oder des Corona-Crashs deutlich größer waren. Dennoch scheint die aktuelle Panik unter Privatanlegern intensiver auszufallen. Selbst während der geopolitischen Eskalationen im laufenden Jahr war das Verhältnis zwischen Angst und Zuversicht weniger negativ.
Allerdings basiert der Extremwert bislang nur auf einem kurzen Messzeitraum von etwa 24 Stunden. Daraus lässt sich noch kein nachhaltiger Trend ableiten. Dennoch zeigt die Auswertung, wie fragil das Vertrauen derzeit ist. Aus konträrer Sicht können solche extrem einseitigen Stimmungswerte zugleich auf eine fortgeschrittene Kapitulationsphase hindeuten. Eine unmittelbare Trendwende garantieren sie jedoch nicht.
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