Ethereum-Gründer warnt: Das Stablecoin-System könnte langfristig scheitern
Während sich der Kryptomarkt seit Monaten vergleichsweise ruhig zeigt und sich die Aufmerksamkeit vieler Anleger auf Kurse und kurzfristige Trends richtet, hat Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin eine deutlich grundlegendere Debatte angestoßen. In einer ausführlichen Stellungnahme auf X äußerte er massive Zweifel daran, ob das heutige Stablecoin-Modell langfristig tragfähig ist und stellte zentrale Annahmen der gesamten Branche infrage.
Auslöser war eine Diskussion darüber, dass Ethereum zunehmend einen anderen Weg einschlägt als viele von Venture Capital finanzierte Krypto-Projekte. Während große Teile der Industrie auf Trading-Plattformen, CeDeFi-Modelle, custodial Stablecoins und krypto-basierte „Neo-Banken“ setzen, betonte Buterin, dass Ethereum weiterhin auf ein anderes Ziel fokussiert sei, nämlich die Schaffung von Infrastruktur für finanziell souveräne Individuen. Genau hier sieht er bei Stablecoins ein ungelöstes Kernproblem.
Abhängigkeit vom US-Dollar als strukturelles Risiko
Ein zentraler Punkt seiner Kritik betrifft die enge Kopplung fast aller großen Stablecoins an den US-Dollar. Kurzfristig sei diese Bindung praktikabel und sinnvoll, so Buterin. Langfristig hält er sie jedoch für problematisch. Eine globale, zensurresistente Finanzinfrastruktur, die vollständig von der Stabilität einer einzelnen staatlichen Währung abhängt, sei aus seiner Sicht kein wirklich unabhängiges System.
Buterin stellte die Frage, was passieren würde, wenn der Dollar in den kommenden Jahrzehnten deutlich an Kaufkraft verliert oder in eine Phase stärkerer Inflation gerät. In einem solchen Szenario würde ein „stabiler“ Dollar-Stablecoin zwar weiterhin einen Dollar abbilden, aber nicht mehr zwangsläufig stabile Kaufkraft. Für eine wirklich resiliente Finanzarchitektur sei deshalb langfristig ein anderer Referenzmechanismus nötig, etwa ein Index, der sich an breiterer wirtschaftlicher Realität orientiert statt an einer einzelnen Währung.
Oracles als unterschätzter Schwachpunkt
Ein zweiter Schwerpunkt seiner Aussagen betrifft die Preis-Oracles, also jene Systeme, die Stablecoins mit externen Marktdaten versorgen. Laut Buterin sind viele dieser Konstruktionen entweder zu zentralisiert oder ökonomisch angreifbar. Wenn ein Akteur mit ausreichend Kapital ein Oracle manipulieren kann, ist aus seiner Sicht die gesamte Stabilitätsmechanik eines Stablecoins gefährdet.
Das führe zu einem grundlegenden Dilemma: Entweder Oracles werden wirklich dezentral und praktisch „unkaputtbar“, oder Protokolle müssen so gestaltet werden, dass ein Angriff wirtschaftlich unattraktiv wird. Letzteres bedeute in der Praxis oft, dass Systeme hohe Gebühren erheben oder stark auf Wertabschöpfung setzen, um Angreifer abzuschrecken. Genau das sei jedoch schlecht für Nutzer und widerspreche dem ursprünglichen Gedanken offener Finanzsysteme.
In diesem Zusammenhang kritisierte Buterin auch stark finanzabhängige Governance-Modelle, bei denen Stimmrechte primär über Tokenbesitz organisiert werden. Solche Systeme ließen sich letztlich immer kaufen, wodurch hohe ökonomische Hürden aufgebaut werden müssten, mit entsprechenden Kosten für alle Teilnehmer.
Stablecoins im Konflikt mit Staking-Renditen
Ein dritter, weniger offensichtlicher Punkt betrifft den strukturellen Wettbewerb zwischen Stablecoins und Staking. Wer $ETH stakt, erhält eine laufende Rendite. Wer $ETH hingegen als Sicherheit in einem Stablecoin-System hinterlegt, verzichtet oft auf diese Erträge oder trägt zusätzliche Risiken. Das macht dezentrale Stablecoins ökonomisch unattraktiv, solange Staking vergleichsweise hohe Renditen bietet.
Buterin skizzierte mehrere theoretische Lösungsräume, etwa extrem niedrige Staking-Renditen, neue Formen von Staking ohne Slashing-Risiko oder Modelle, bei denen Slashing-Risiken systemisch in Stablecoins integriert werden. Keine dieser Optionen sei trivial. Insbesondere betonte er, dass Slashing nicht nur individuelles Fehlverhalten betrifft, sondern auch Szenarien wie Netzwerkangriffe oder großflächige Zensur.
Einladung zum Umdenken
Buterin sprach sich nicht gegen Stablecoins an sich aus. Im Gegenteil, er bezeichnete bessere, wirklich dezentrale Stablecoins als einen der wichtigsten offenen Bausteine für die Zukunft von Ethereum. Seine Aussagen sind weniger als Abgesang zu verstehen, sondern als Hinweis, dass das heutige Modell aus seiner Sicht nur eine Übergangslösung ist.
Während große Teile der Branche auf kurzfristige Anwendungsfälle und Geschäftsmodelle setzen, richtet Buterin den Blick auf die kommenden Jahrzehnte. Seine zentrale Botschaft ist klar. Ohne grundlegende Fortschritte bei Wertanker-Modellen, Oracles und der ökonomischen Verzahnung von Staking und Stablecoins bleibt das Versprechen eines wirklich souveränen Finanzsystems unvollständig.
Ob und wie diese Probleme gelöst werden können, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, welche Rolle Ethereum und dezentrale Stablecoins insgesamt in der nächsten Phase der Krypto-Evolution spielen werden.
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