Krypto News: Alles nur Show? Trumps Zölle folgen einem klaren Muster
Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen für viele Beobachter nicht überraschend. Nach den neuen Zollankündigungen am Wochenende ist der Bitcoin-Kurs heute von 95.000 Dollar auf 92.000 Dollar gecrasht. Wer Donald Trumps bisherige Handelspolitik verfolgt hat, erkennt allerdings ein klares Muster. Zölle dienen ihm weniger als klassisches wirtschaftspolitisches Instrument, sondern vor allem als Mittel, um Druck aufzubauen, Märkte zu bewegen und Verhandlungspartner in eine bestimmte Position zu zwingen. Auch die aktuelle Eskalation rund um neue Strafzölle gegen europäische Staaten folgt genau diesem bekannten Drehbuch, auch wenn ein Erfolg aussichtslos scheint.
Auffälliges Timing
Auffällig ist dabei vor allem der Zeitpunkt der Ankündigungen. Trump veröffentlicht entsprechende Statements fast immer dann, wenn die US-Börsen geschlossen sind, spätabends, an Freitagen oder am Wochenende. In dieser Phase können Märkte nicht sofort reagieren, Unsicherheit baut sich auf und Marktteilnehmer haben Zeit, Risiken neu zu bewerten. Genau das war auch diesmal der Fall. Während traditionelle Börsen pausierten, begann sich die Nervosität bereits an den asiatischen Märkten und im Kryptohandel zu entladen. In den USA ist heute dagegen ein Feiertag, sodass es heute zu keinen Verwerfungen kommt.
Charakteristisch ist zudem, dass Trump Zölle nie als endgültige Maßnahme präsentiert. Stattdessen wird zunächst ein niedrigerer Satz in Aussicht gestellt, gefolgt von der Ankündigung deutlich schärferer Maßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt, falls keine Einigung erzielt wird. Dieses Vorgehen erzeugt sofortigen Schock, hält aber gleichzeitig ein Zeitfenster für Verhandlungen offen. Genau diese Konstruktion sorgt dafür, dass politische Unsicherheit nicht nur kurzzeitig, sondern über Wochen hinweg in den Märkten präsent bleibt.
Strukturierter Ablauf am Markt
Die erste Reaktion der Märkte folgt dabei fast immer demselben technischen Ablauf. Fonds und große Vermögensverwalter bewerten nicht inhaltlich, sondern setzen automatisierte Risikoprotokolle um. Margin-Anforderungen steigen, Volatilitätsmodelle reduzieren Positionen, Risikoparitätsfonds fahren Engagements zurück und gehebelte Trades werden aufgelöst.
Das führt zu abrupten Liquiditätsengpässen und extrem schnellen Kursbewegungen. Die heftigen Abverkäufe der vergangenen Stunden waren deshalb weniger eine Neubewertung von Unternehmensgewinnen oder Konjunkturdaten, sondern vor allem ein strukturelles Entladen von Risiko.
Bitcoin und der Kryptomarkt geraten in diesen Phasen traditionell besonders stark unter Druck. Anders als Gold wird Bitcoin bei geopolitischen Schocks weiterhin als hochriskantes Asset behandelt. Der 24/7-Handel, die hohe Hebelnutzung und vergleichsweise dünne Orderbücher machen den Markt zum idealen Ventil, um globales Risiko schnell abzubauen. Entsprechend fallen Kryptowährungen in der ersten Phase solcher Eskalationen meist stärker als Aktien.
Erholung in Sicht
Nach dem anfänglichen Schock beginnt erfahrungsgemäß die kommunikative Phase. Regierungsvertreter melden sich zu Wort, sprechen von Gesprächen, Verhandlungslösungen und davon, dass noch nichts endgültig beschlossen sei. Die Volatilität lässt nach, Verkaufsdruck nimmt ab und der Markt realisiert, dass Zölle Wochen oder Monate bis zur Umsetzung benötigen. Genau hier scheint sich das aktuelle Umfeld nun langsam einzuordnen.
Darauf folgt in Trumps bisheriger Zollpolitik meist eine Phase der Entschärfung. Verzögerungen, Ausnahmen, Rahmenabkommen oder vermeintlich „historische Deals“ werden angekündigt, Unsicherheit fällt schlagartig weg und die Märkte reagieren mit kräftigen Erholungen. Dieses Muster ließ sich in den vergangenen Jahren bereits mehrfach bei Auseinandersetzungen mit China, Mexiko, Kanada oder Indien beobachten.
Auch die aktuelle Situation rund um Europa und Grönland wirkt politisch brisanter, da NATO-Partner betroffen sind und geopolitische Aspekte eine größere Rolle spielen. Dennoch unterscheidet sich die Struktur nicht wesentlich von früheren Fällen. Der jüngste Kurssturz war vor allem die erste Schockphase eines bekannten Zyklus. Risiko wurde reduziert, Liquidität zurückgezogen, Hebelpositionen abgebaut. Fundamental hat sich an der globalen Wirtschaftslage in diesen Stunden wenig geändert.
Viele Marktbeobachter gehen daher davon aus, dass sich die Lage in den kommenden Wochen schrittweise beruhigen wird. Sollten Gespräche beginnen und Eskalationsdrohungen relativiert werden, dürfte sich auch die Risikobereitschaft an den Märkten wieder erhöhen. In der Vergangenheit folgten auf solche Phasen nicht selten neue Hochs, sobald politische Unsicherheit abgebaut war.
Ob sich dieses Muster erneut bestätigt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die jüngsten Bewegungen weniger Ausdruck eines fundamentalen Zusammenbruchs waren, als vielmehr Teil eines bekannten politischen und markttechnischen Spiels, das Donald Trump bereits mehrfach erfolgreich eingesetzt hat und das sich auch auf den Kryptomarkt immer gleich ausgewirkt hat.