Hyperliquid könnte das neue Amazon werden

Hyperliquid hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Krypto-Projekte entwickelt. Das Netzwerk kombiniert eine eigene Layer-1-Blockchain mit einer dezentralen Handelsplattform, auf der insbesondere Perpetual Futures mit hoher Geschwindigkeit und vollständig onchain gehandelt werden können.
2026 gelang HYPE schließlich der Sprung in die Top 10 der wertvollsten Kryptowährungen. Zuletzt musste der Token zwar deutlich von seinen Höchstständen korrigieren, auf Jahressicht bleibt dennoch ein Kursplus von mehr als 100 Prozent bestehen. Mit Rang neun und einer Bewertung von rund 14 Milliarden US-Dollar ist Hyperliquid längst ein Large Cap. Dennoch könnte der Markt das langfristige Potenzial weiterhin unterschätzen.
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Bitwise-CIO: Hyperliquid könnte deutlich größer werden als gedacht
Genau diese These vertritt auch Bitwise-CIO Matt Hougan. Sein aktueller Vergleich fällt bewusst drastisch aus: Viele Anleger würden Hyperliquid heute lediglich als Krypto-App betrachten – ähnlich wie Amazon zu Beginn lediglich als Online-Buchhandlung wahrgenommen worden sei. Dahinter steht die These, dass der Markt Hyperliquid noch immer anhand seines ursprünglichen Geschäftsmodells bewertet, obwohl sich die Plattform zunehmend zu einem umfassenden Handelsplatz entwickelt.
Besonders wichtig ist dabei die Expansion in Real World Assets. Die im aktuellen Beitrag gezeigten Daten zeigen, dass HIP-3-Märkte mittlerweile einen erheblichen Anteil des Hyperliquid-Handels ausmachen. Der gleitende Sieben-Tage-Durchschnitt des RWA-Anteils lag zuletzt bei rund 46,6 Prozent. Damit entfällt inzwischen ein großer Teil des entsprechenden Handelsvolumens auf Märkte außerhalb klassischer Kryptowährungen.
Hougan sieht darin einen entscheidenden Bewertungsfehler.
Anleger würden Hyperliquid weiterhin primär mit Krypto-Derivatebörsen vergleichen. Tatsächlich zielt die Plattform mittlerweile jedoch auf Aktien, Rohstoffe, Indizes, Pre-IPO-Märkte, Prediction Markets und perspektivisch weitere traditionelle Anlageklassen. Bitwise spricht deshalb von einem potenziellen adressierbaren Markt von rund 600 Billionen US-Dollar.
Hinzu kommt die Tokenökonomie. Laut Hougan fließen rund 99 Prozent der Handelsgebühren in HYPE-Rückkäufe. Steigendes Volumen kann damit unmittelbar zusätzliche Nachfrage nach dem Token erzeugen. Bitwise schätzte Hyperliquids Jahresumsatz zuletzt auf 800 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar und hielt die daraus resultierende Bewertung im Verhältnis zum Wachstum für niedrig. Genau deshalb könnte HYPE trotz Milliardenbewertung und Top-10-Status weiterhin günstiger bewertet sein, als es auf den ersten Blick erscheint.
Hyperliquid: Regulierung und Skalierung bleiben zentrale Risiken
Trotz des enormen Wachstumspotenzials ist Hyperliquid keineswegs frei von Risiken. Wintermute-CEO Evgeny Gaevoysieht insbesondere zwei langfristige Herausforderungen: die Regulierung und die technische Skalierbarkeit. In einem aktuellen Interview verwies der Chef des bekannten Krypto-Market-Makers darauf, dass Hyperliquid zwar bereits bei Real World Assets, Rohstoffen und Aktienmärkten beeindruckende Fortschritte gemacht habe, gerade diese Expansion aber neue Probleme mit sich bringen könnte.
Seine größte Sorge betrifft die US-Regulierung. Sollte Hyperliquid langfristig einen regulierten Zugang zum amerikanischen Markt anstreben, könnten strengere Vorgaben wie Know-Your-Customer-Verfahren notwendig werden. Nutzer müssten sich dann identifizieren und bestimmte Adressen oder Jurisdiktionen könnten ausgeschlossen werden. Damit würde Hyperliquid jedoch einen Teil seines heutigen Vorteils als weitgehend permissionless und Onchain funktionierende Handelsplattform verlieren. Gaevoy warnt deshalb davor, dass sich Hyperliquid zunehmend einer klassischen zentralisierten Börse annähern könnte.
Das zweite Problem ist der Throughput. Soll Hyperliquid tatsächlich irgendwann mit traditionellen Handelsplätzen wie CME oder Nasdaq konkurrieren, müssen enorme Mengen an Orders mit extrem niedriger Latenz verarbeitet werden. Gaevoy bezweifelt, dass vollständig dezentrale Blockchain-Strukturen hierfür langfristig optimal geeignet sind. Mehr Performance könnte wiederum eine stärkere Zentralisierung der Infrastruktur erfordern.
Genau darin liegt das zentrale Spannungsfeld: Je stärker Hyperliquid in traditionelle Finanzmärkte expandiert, desto größer könnten regulatorische und technische Zwänge werden. Das Wachstumspotenzial bleibt erheblich – Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass ein erfolgreicher Aufstieg zum globalen Handelsplatz möglicherweise Veränderungen am heutigen dezentralen Modell erforderlich macht.
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