Maya Protocol stoppt Netzwerk nach Angriff mit sechs Schwachstellen
Maya Protocol hat sein Cross-Chain-Netzwerk am Mittwoch komplett angehalten, nachdem ein Angreifer sechs verkettete Softwarefehler ausnutzte und rund 1,7 Millionen US-Dollar in Bitcoin und anderen Assets erbeutete. Der native Token CACAO brach im Zuge des Vorfalls um 88,7 Prozent ein, von etwa 0,115 auf 0,013 US-Dollar.
Wie der Angriff ablief
Der pseudonyme Mitgründer von Maya Protocol, bekannt als Aalux, bestätigte, dass der Angreifer etwa 20 Bitcoin im Wert von rund 1,4 Millionen US-Dollar sowie weitere 300.000 US-Dollar in anderen Assets erbeutete, bevor das Team einen netzwerkweiten Halt aktivierte. Eine vorläufige technische Analyse führt den Vorfall auf sechs verkettete Schwachstellen zurück, die Handelskonten, die Verarbeitung ausgehender Transaktionen und die Berechnung von Liquiditätspools betrafen.

Statt eine einzelne Schwachstelle auszunutzen, bündelte der Angreifer diese Fehler in einer einzigen Transaktion mit 23 Nachrichten, wodurch mehrere Systemkomponenten von MAYAChain nahezu gleichzeitig manipuliert werden konnten. Zunächst wurde der eigene Diebstahlschutzmechanismus des Protokolls dazu gebracht, falsch zu reagieren; anschließend nutzte der Angreifer diese Lücke, um den Wert eines Pools mit geringer Liquidität aufzublähen und 48,87 Millionen CACAO aus dem Asgard-Vault-Modul abzuziehen, das die Vermögenswerte für Cross-Chain-Swaps verwahrt.
Schadenshöhe schwer zu beziffern
Der unabhängige Blockchain-Sicherheitsforscher Vini Barbosa, der die vorläufigen Daten prüfte, bestätigt den CACAO-Einbruch von 88,7 Prozent während des Vorfalls. Die technische Analyse schätzt den Rückgang des gesamten Poolwerts auf rund 10,9 Millionen US-Dollar – eine Zahl, die jedoch nicht mit gestohlenen Mitteln gleichzusetzen ist, da ein erheblicher Teil auf Arbitrage-Handel und die eigene CACAO-Abwertung zurückgeht.
Die präzisere Aufschlüsselung zeigt, dass etwa 1,36 Millionen US-Dollar auf externe Blockchains abgeflossen sind, während rund 291.000 US-Dollar in vom Angreifer kontrollierten CACAO-Beständen und Handelskonto-Positionen auf MAYAChain selbst verblieben. Diese Diskrepanz zwischen medial genannter Schadenssumme und tatsächlich extrahiertem Wert taucht 2026 wiederholt auf, wenn zunächst gemeldete „Risiko“-Zahlen deutlich höher liegen als das, was Angreifer letztlich tatsächlich abschöpfen.
Kein Einzelfall in der Cross-Chain-DeFi
Der Maya-Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle bei Interoperabilitätsprotokollen ein. Bei Axelar wurden im Juni Bridge-Routen zu Secret Network deaktiviert, nachdem rund 4,7 Millionen US-Dollar über eine Schwachstelle in einem Secret-seitigen Smart Contract abgezogen worden waren, während Axelar betonte, die Kerninfrastruktur sei unberührt geblieben.
Bei THORChain, dem wohl nächsten Vergleichsfall, wurden im Mai rund 10,7 Millionen US-Dollar aus einem von fünf Vaults abgezogen, nachdem ein neu rotierter Node-Operator eine Schwachstelle im GG20-Threshold-Signature-Scheme ausnutzte, um einen privaten Schlüssel zu rekonstruieren. Automatische Solvenzprüfungen stoppten das Cross-Chain-Signing innerhalb weniger Minuten, und das Netzwerk nahm nach über einem Monat Pause am 23. Juni den Handel wieder auf, ohne neue RUNE zu prägen oder Inhaber zu verwässern. Wer sich für die technischen Details solcher Angriffsvektoren interessiert, findet auch bei anderen jüngeren Sicherheitsvorfällen in der Krypto-Infrastruktur vergleichbare Muster.

Was als Nächstes ansteht
Maya Protocol hat keinen Zeitplan für die vollständige Wiederherstellung der Swaps genannt. Aalux erklärte, der globale Halt habe weiteren Schaden verhindert, während Entwickler an Fixes für das Trade-Account-Verhalten, die Outbound-Transaktionsverarbeitung und die Liquiditätsberechnungen arbeiten, die den erfolgreichen Angriff über die 23-Nachrichten-Transaktion ermöglichten.
Ob Maya das Vertrauen der Nutzer schnell zurückgewinnen kann, dürfte davon abhängen, wie transparent das Team den Fix dokumentiert – und ob sich der CACAO-Kursverfall als vorübergehender Schock oder als dauerhafte Belastung der Protokoll-Liquidität erweist, sobald der Handel wieder aufgenommen wird. Die Architekturfrage bleibt dabei zentral: Je mehr Komponenten wie Validatoren, Liquiditätspools und Vault-Module über verschiedene Chains hinweg kommunizieren müssen, desto größer die Angriffsfläche, wie auch Diskussionen rund um andere Cross-Chain-Swap-Infrastrukturen zeigen.
Quelle: Cryptonomist