Krypto News: Nach Verbot von X – Kaito setzt auf Polymarket
Polymarket und Kaito AI erweitern das bekannte Prinzip von Prognosemärkten um eine neue Datenquelle: nicht nur Ereignisse, sondern „Aufmerksamkeit“ und „Stimmung“ in sozialen Netzwerken sollen handelbar werden. Die Kooperation wurde am 10. Februar 2026 bekannt und zielt auf Märkte ab, die anhand von Kaito-Metriken wie „Mindshare“ (Anteil an öffentlicher Aufmerksamkeit) und „Sentiment“ (positiv/negativ) abbilden, worüber online gerade wirklich gesprochen wird.
Nächster Schritt für Polymarket: Von klassischen Prognosen zu „Attention Markets“
Polymarket ist eine Krypto-basierte Prognoseplattform, auf der Nutzer über Quoten auf realweltliche Ereignisse handeln. Kaito AI wiederum ist ein Analytics-Anbieter, der Aufmerksamkeitssignale aus Social Media auswertet und daraus Kennzahlen wie Mindshare und Sentiment ableitet. In den neuen „Attention Markets“ werden diese Messwerte zur Grundlage von Kontrakten – etwa nach dem Muster „Wird die Mindshare von Anthropic nächsten Monat höher sein als die von OpenAI?“, wie es auch in frühen Beispielen beschrieben wurde.
Die Einordnung ist auch deshalb wichtig, weil Kaito zuletzt direkten Plattform-Risiken ausgesetzt war. Mitte Januar 2026 verschärfte X (ehemals Twitter) seine Developer-Regeln und ging gezielt gegen Apps vor, die Nutzer fürs Posten belohnen – unter Verweis auf Spam und „AI slop“. In der Folge wurde Kaito gezwungen, das Produkt „Yaps“ zu beenden.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Polymarket-Kooperation wie eine strategische Verschiebung: weg von einem Modell, das stark von einer einzelnen Social-Plattform und ihren API-Regeln abhängt, hin zu einer breiteren Datengrundlage und einem klaren „Abnehmer“ für die Metriken. Kaito verweist bei den Attention Markets darauf, dass Daten nicht nur aus X, sondern auch von Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube in die Berechnung einfließen sollen.
Auch in der Kommunikation der Beteiligten wird der Produktcharakter betont. Kaito-CEO Yu Hu beschreibt die Idee als neue Nutzererfahrung: Wer durch Social Media scrollt, soll Meinungen nicht nur äußern, sondern „eine Seite“ in diesen Märkten einnehmen können. Polymarket-Vertreter Thibault (thib0ault) ordnet es als nächsten Schritt im Anspruch „Märkte zu allem“ ein – und als Versuch, ein neues Finanzprodukt auf Basis von Aufmerksamkeitsdaten zu etablieren.
Neue Mindshare-Märkte und ihre Grenzen
Inhaltlich knüpft die Kooperation an einen Trend an, der in Krypto schon länger sichtbar ist: Märkte als Echtzeit-Sensor für Erwartungen. Neu ist hier jedoch, dass nicht ein Ereignis (ja/nein bis Datum X), sondern ein fortlaufender sozialer Zustand messbar gemacht werden soll. Genau in diese Richtung arbeitet Kaito bereits mit „Noise“, einem Projekt, das „Attention Markets“ als eine Art Dauer-Markt versteht, in dem Nutzer Long- oder Short-Positionen auf Mindshare- und Sentiment-Daten halten können. Noise hatte im Januar 2026 eine Seed-Finanzierung über 7,1 Millionen US-Dollar bekanntgegeben, angeführt vom Krypto-VC Paradigm.
Der Nutzen, den Befürworter daraus ableiten, ist nachvollziehbar: Wenn viele Marktteilnehmer Kapital riskieren, können Quoten schneller auf Stimmungswechsel reagieren als Umfragen – gerade bei Themen, die sich online binnen Stunden drehen. In den Berichten zur Kooperation heißt es entsprechend, die Kombination aus Kaito-Daten und Polymarket-Handelsaktivität könne öffentliche Meinung präziser abbilden als klassische Polls.
Trotzdem bleibt das Modell erklärungsbedürftig. „Mindshare“ ist keine objektive Wahrheit, sondern ein abgeleiteter Messwert: Welche Quellen einfließen, wie Spam gefiltert wird, wie Bots und koordinierte Kampagnen gewichtet werden – all das entscheidet über die Signalqualität. Genau deshalb gilt Nutzer-Aufklärung als zentrale Hürde: Ohne Verständnis für die Metriken drohen geringe Liquidität und damit wenig aussagekräftige Preise.
Hinzu kommt die Plattform-Abhängigkeit, die Kaito im Januar bereits zu spüren bekam. Selbst wenn Daten heute breiter erhoben werden, bleiben Änderungen an API-Zugängen, Rate Limits oder Content-Policies ein strukturelles Risiko – und damit auch ein Risiko für Märkte, deren „Underlying“ nicht ein Ereignis, sondern ein Datenfeed ist.