Dünne MAMO-Liquidität setzt Moonwell-Einleger unter Druck
Ein Angreifer hat aus dem DeFi-Kreditprotokoll Moonwell auf der Ethereum-Layer-2 Base einen Nettoschaden von rund 8,7 Millionen Dollar herausgezogen, wie ein offizielles Post-Mortem des Protokolls dokumentiert. Kein Codebruch war dafür nötig: Ein künstlich aufgeblähter Preis des dünn gehandelten Tokens MAMO reichte als Sicherheit für Kredite, deren realer Marktwert deutlich niedriger lag – wodurch auch Einleger der Märkte cbBTC, WETH, USDC und wstETH dem Ausfallrisiko ausgesetzt sind, obwohl sie selbst nie MAMO hielten.
Moonwell-Exploit auf Base: Ablauf und Schadenshöhe
Der Angriff lief laut dem Post-Mortem im Moonwell-Governance-Forum am 27. August 2026 zwischen 06:09:45 und 09:30:13 UTC. In diesem Fenster nahm der Angreifer aus vier Märkten Kredite mit einem Bruttowert von 11.028.762 Dollar auf.
PeckShield und CertiK bezifferten den Schaden noch am selben Tag auf rund 8,7 Millionen Dollar. Blockaid meldete zunächst 50,6 cbBTC im Wert von mehr als 4 Millionen Dollar, die allein aus einem einzelnen Markt abflossen. Die Differenz zwischen den Zahlen erklärt sich durch unterschiedliche Messgrößen: Der Bruttobetrag beschreibt, was aufgenommen wurde, die niedrigeren Zahlen das, was nach den Liquidationen tatsächlich fehlte.

Am Folgetag bezifferte Moonwell die verbliebenen Verbindlichkeiten aus dem MAMO-Markt auf rund 9,131 Millionen Dollar – eine Summe, für die es keinen solventen Schuldner mehr gibt. Ausgezahlt wurde dabei nicht in MAMO, sondern in sofort veräußerbaren Assets aus den Märkten cbBTC, WETH, USDC und wstETH.
Oracle-Manipulation statt Code-Hack
Der Kern des Vorfalls liegt in der Preisquelle, nicht im Programmcode. Laut Post-Mortem stieg der MAMO-Preis von etwa 0,010597 Dollar auf einen Höchststand von 0,43127363 Dollar – ein rund vierzigfacher Anstieg. Der höchste Preis, den Moonwell als gültig akzeptierte, lag bei 0,40248571 Dollar.
MAMO ist der Token einer KI-gestützten Finanz-App auf Base und wird dünn gehandelt. Genau das machte den Preis günstig manipulierbar: Der aufgeblähte Buchwert der Sicherheit erlaubte es, gegen einen real deutlich geringeren Bestand Kredite in Millionenhöhe zu ziehen. Die Smart Contracts selbst führten dabei exakt das aus, wofür sie programmiert wurden – die Schwachstelle lag in der Annahme, ein beobachteter Marktpreis bilde den Sicherheitenwert zuverlässig ab.

Die Liquidationen setzten 32 Sekunden nach dem letzten erfolgreichen Kredit ein. Der Mechanismus arbeitete also korrekt, traf aber auf einen Sicherheitenpreis, der zu diesem Zeitpunkt bereits wieder eingebrochen war.
Reaktionen und Notfallmaßnahmen
Um 10:53:43 UTC senkte Moonwell per Notfall-Transaktion die Borrow Caps sämtlicher Core-Märkte auf Base auf 1 Wei, die kleinste Einheit von Ether. Eine solche Obergrenze verhindert praktisch jede weitere Kreditaufnahme. Um 11:09:43 UTC folgten die Supply Caps für MAMO und den Protokoll-Token WELL auf denselben Wert.
Ob das entstandene Defizit aus einer Reserve, der Foundation Treasury oder gar nicht gedeckt wird, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung laut Primärquelle noch offen. Moonwell erklärte lediglich, die Untersuchung dauere an.
Bad Debt und Konsequenzen für Einleger
Die rund 9,131 Millionen Dollar offener MAMO-Verbindlichkeiten stellen im Protokoll sogenannten Bad Debt dar – Kredite, denen keine verwertbare Sicherheit mehr gegenübersteht. Getroffen werden davon die Einleger der vier geplünderten Märkte, obwohl sie selbst nie MAMO hielten.
Ursache dafür ist die Marktstruktur: MAMO gehörte auf Base zu den Core-Märkten, in denen sich mehrere Assets einen gemeinsamen Liquiditätspool teilen. So konnte eine dünn gehandelte Sicherheit echte Bitcoin- und Ether-bezogene Bestände sowie USDC aus anderen Märkten besichern. Ob eine Einzahlung derzeit abgezogen werden kann, hängt von der Auslastung des jeweiligen Markts ab – ein Markt zahlt grundsätzlich nur aus, was nicht bereits verliehen ist.
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