Xinbi Guarantee: US-Justiz greift in Krypto-Zahlungswege ein
Die US-Justiz hat die Telegram-Plattform Xinbi Guarantee ins Visier genommen, die als Vermittlermarkt für Betrugsdienstleistungen fungierte. Konkret wurden 52,8 Millionen USDT aus 52 mit Xinbi und seinem Händlernetz verbundenen Wallets eingefroren – ein Betrag, der von der übergeordneten Zahl von rund 938 Millionen US-Dollar zu unterscheiden ist, die das bislang insgesamt von US-Behörden eingefrorene Krypto-Volumen in diesem Umfeld bezeichnet.
Telegram-Kanäle, Wallets und Scam-Zentren
Im Zuge der Aktion wurden Telegram-Kanäle samt zugehöriger Benutzernamen beschlagnahmt beziehungsweise abgeschaltet. Zwei Krypto-Wallets zog die US-Justiz zusätzlich ein; sie sollen laut Behördendarstellung rund 12 Millionen US-Dollar an Mitteln eingesammelt haben.
Parallel weitete sich der Einsatz der Scam Center Strike Force bis nach Madagaskar aus, wo 13 mit dem Xinbi-Umfeld verknüpfte Scam-Komplexe gestört wurden. Mehr als 3.200 elektronische Geräte wurden sichergestellt, und nach Interviews mit fast 400 Festgenommenen liefen weitere Ermittlungen an. Rund 30 der Festgenommenen wurden als chinesische Führungspersonen der Scam-Komplexe eingeordnet und von der chinesischen Regierung repatriiert.
Wie Xinbi als Vermittler für Betrugsdienste funktioniert
Die US-Justiz beschreibt Xinbi als Bindeglied zwischen Anbietern und Betreibern von Scam-Zentren – als eine Art One-Stop-Shop für individuelle Betrugs-Webseiten, das Waschen von Geld aus Wire-Fraud-Delikten und die Anwerbung von Personen für Scam-Komplexe in Südostasien. Zahlungen hielt die Plattform laut Darstellung zunächst zurück, bis vereinbarte Leistungen erbracht waren, um Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern zu erzeugen. Ähnliche Mechanismen tauchen auch bei anderen Formen von Marktmanipulation im Kryptobereich auf, bei denen Vertrauen künstlich hergestellt wird, um Kapitalflüsse zu steuern.
Zahlungen auf Xinbi liefen überwiegend über Tethers USDT, hauptsächlich auf der TRON-Blockchain. Nach dem Einfrieren tauschte die Plattform nach eigenen Angaben rund 2,8 Millionen US-Dollar verbliebener USDT-Bestände über einen dezentralen Austausch in den Stablecoin USDD.
Behörden und Analyseanbieter sehen Liquidität als Schwachstelle
Dr. Tom Robinson, Gründer und Chief Scientist des Blockchain-Analytics-Anbieters Elliptic, weist darauf hin, dass USDD zwar keinen zentralen Sperrmechanismus wie USDT besitze, Einfrierrisiken aber weiterhin bestünden, weil der Stablecoin teilweise mit einfrierbarem USDT besichert sei. Tara McLeese, Special Agent in Charge beim U.S. Secret Service Washington Field Office, ordnet die Operation so ein, dass Gelder zunächst durch Xinbi abgegriffen und anschließend über dessen Netzwerk gewaschen worden seien, offenbar in der Annahme, außerhalb der Reichweite US-amerikanischer Strafverfolgung zu operieren.
Scott Bessent, US-Finanzminister, erklärte, dass das Finanzministerium seine Instrumente weiter gegen die Netzwerke hinter dem Betrug einsetzen werde. Parallel verhängte OFAC Sanktionen gegen chinesischsprachige Medien, denen eine Beteiligung an Cyber-Betrug und Geldwäsche vorgeworfen wird; Elliptic arbeitete bei Identifikation und Einfriermaßnahmen mit dem US Secret Service zusammen.
Eingriff in die Zahlungswege statt nur in die Telegram-Kanäle
Xinbi hatte nach Angaben der Behörden an Bedeutung gewonnen, nachdem zwei ähnliche „Storefronts“ geschlossen worden waren: HuiOne Guarantee und dessen Nachfolger Tudou Guarantee. Elliptic beschreibt die aktuelle Maßnahme als schweren Rückschlag für das Guarantee-Marktplatz-Ökosystem und erwartet, dass das Vertrauen von Händlern und kriminellen Nutzern erodiert.
Entscheidend ist dabei nicht die Content-Ebene der Telegram-Kanäle, sondern die Liquidität und Auszahlungssicherheit der Wallets. Wenn Krypto-Bestände jederzeit identifiziert und eingefroren werden können, ändert sich die ökonomische Rechnung solcher Vermittlermärkte grundlegend – unabhängig davon, wie schnell Betreiber wie im Fall von Xinbi wechseln oder auf alternative Stablecoins ausweichen.