Krypto-Wetten auf Wahlen und Kriege rücken bei ESMA in den Fokus
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA warnt vor Risiken von Marktmanipulation und Insiderhandel in schnell expandierenden Prognosemärkten. Im Mittelpunkt steht die Möglichkeit, mit Krypto auf reale Ereignisse wie Sport, Kriege und Wahlen zu wetten. Zugleich verweist die Behörde auf ein wachsendes institutionelles Interesse an diesem Segment.
Prognosemärkte geraten ins Visier der ESMA
Aus Sicht der ESMA erschwert die Nutzung von Krypto in Prognosemärkten die Aufdeckung und Verhinderung von Insiderhandel, Wash-Trading und koordinierter Marktmanipulation. Nutzer können dort auf den Ausgang realer Ereignisse setzen. Die Aufsicht hebt hervor, dass die damit verbundenen Risiken in einem Umfeld an Bedeutung gewinnen, das sich rasch entwickelt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem institutionellen Interesse: Anbieter von Marktinfrastruktur wie Börsen und Investmentfonds suchen laut ESMA nach Partnern in der Branche. Die Behörde sieht darin einen zusätzlichen Grund, die Risiken dieses Marktsegments zu beobachten.
Einordnung in den Risikoausblick der EU-Aufsicht
Die Hinweise zu Prognosemärkten sind Teil eines breiteren Risikoausblicks der ESMA. Die Aufsicht warnt, dass eine Diskrepanz zwischen sich verschlechternden makroökonomischen Rahmenbedingungen und optimistischen Bewertungen das Risiko eines Marktabschwungs bergen könne. Als Belastungsfaktoren werden der Konflikt im Nahen Osten und steigende Energiepreise genannt.
ESMA-Vorsitzende Verena Ross verwies darauf, dass der Optimismus der Anleger trotz zunehmender geopolitischer Spannungen und einer sich eintrübenden wirtschaftlichen Perspektive hohe Bewertungen stütze. Mit einer wachsenden Lücke zwischen diesen Faktoren steige aus ihrer Sicht auch das Risiko einer abrupten Marktkorrektur.
Darüber hinaus stuft die ESMA die operationellen Risiken an den Finanzmärkten als sehr hoch und weiter zunehmend ein. Als Treiber nennt sie wachsende Cyberbedrohungen sowie Fortschritte bei KI, die Cyber-Schwachstellen aufspüren und ausnutzen könne. Die Behörde bekräftigt außerdem ihre seit Langem geäußerte Sorge, dass Schocks an den Kryptomärkten wegen zunehmender Verflechtungen auf das übrige Finanzsystem übergreifen könnten.
ESMA sieht wachsende Gefahren für Marktintegrität
Speziell bei Prognosemärkten sieht die ESMA die Risiken von Marktmanipulation und Insiderhandel in neuen Dimensionen. Nach Darstellung der Behörde weist eine wachsende Zahl von Vorfällen darauf hin, dass Prognosemärkte von Insiderhandel durchsetzt sind. Die Einschätzung der Aufsicht betrifft damit nicht allein mögliche künftige Risiken, sondern beobachtete Entwicklungen in diesem Umfeld.
Mehr Überwachung für ein wachsendes Marktsegment
Die Verbindung von Krypto-Nutzung und Wetten auf reale Ereignisse erhöht nach Einschätzung der ESMA die Anforderungen an die Marktaufsicht. Das Interesse von Börsen und Investmentfonds an Partnerschaften mit Anbietern von Prognosemärkten rückt das Segment zusätzlich in den Fokus der Behörde.
Auch bei tokenisierten Aktien beobachtet die ESMA ein wachsendes, derzeit jedoch gemessen am globalen Aktienmarkt vernachlässigbares Segment. Dabei handelt es sich um Krypto-Produkte auf Basis von Aktienderivaten. Ihre Verbreitung nehme zu und könne die Marktstruktur beeinflussen. Sowohl bei tokenisierten Aktien als auch bei Prognosemärkten verweist die Aufsicht damit auf Risiken, die sie im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung dieser Marktformen sieht.
Quelle: MarketScreener / Reuters
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