Kommt jetzt Bitcoins finale Kapitulation?

Bitcoin notiert heute bei rund 63.000 US-Dollar und bewegt sich auf Wochensicht weitgehend seitwärts. Auffällig ist, dass selbst negative Nachrichten zuletzt keinen massiven Verkaufsdruck mehr ausgelöst haben. Gleichzeitig fehlen jedoch überzeugende positive Impulse, die eine nachhaltige Erholung einleiten könnten.
Viele Altcoins geraten sogar deutlich stärker unter Druck und markieren neue relative Tiefstände. Dennoch hält sich die zentrale Unterstützungszone bei Bitcoin bereits seit mehreren Monaten. Der Markt wirkt damit stabiler, aber keineswegs dynamisch. Genau diese Mischung aus Widerstandskraft, schwacher Nachfrage und anhaltender Unsicherheit wirft eine entscheidende Frage auf: Erleben Anleger gerade die finale Kapitulation vor einem neuen Aufwärtszyklus?
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Geht Bitcoins Kapitulation weiter?
Mehrere On-Chain- und Derivatedaten deuten darauf hin, dass Bitcoin zwar bereits einen erheblichen Bereinigungsprozess durchlaufen hat, die finale Kapitulation jedoch möglicherweise noch aussteht. Das Open Interest fiel während des starken Ausverkaufs im Juni deutlich und liegt inzwischen bei rund 22,4 Milliarden US-Dollar. Damit bewegt es sich unterhalb seines 100-Tage-Durchschnitts. Ein beträchtlicher Teil der spekulativen Hebelpositionen wurde also bereits aus dem Markt gespült.
Auch der Short-Term-Holder-SOPR fiel mehrfach unter den Wert von 1. Kurzfristige Anleger verkauften ihre Bitcoin damit im Durchschnitt mit Verlust. Eine solche Verlustrealisierung ist typisch für Kapitulationsphasen. Allerdings liegt der Indikator inzwischen wieder nahe der Gewinnschwelle. Eine überzeugende Trendwende lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Problematisch bleibt zugleich, dass die Funding Rates weiterhin leicht positiv sind. Long-Positionen dominieren somit erneut, obwohl der Kurs keine klare Stärke zeigt. Parallel sind die Nettozuflüsse zu Börsen auf etwa 2.900 Bitcoin gestiegen. Auch die gesamten Börsenreserven sollen sich wieder in Richtung 2,72 Millionen BTC bewegen. Damit steht potenziell mehr Verkaufsangebot zur Verfügung.
Besonders kritisch wäre nun ein Rückfall unter 62.000 US-Dollar, während Open Interest und Funding Rates gleichzeitig steigen. In diesem Szenario würden sich erneut gehebelte Long-Positionen aufbauen, die bei weiter fallenden Kursen liquidiert werden könnten. Eine weitere Abwärtswelle mit einem letzten Washout wäre dann durchaus möglich.
Mehrere Signale sprechen dennoch für eine laufende Bodenbildung
Trotz der weiterhin vorhandenen Risiken gibt es zugleich Argumente, die gegen einen unmittelbar bevorstehenden Kollaps sprechen. Entscheidend ist vor allem die Reaktion des Kurses auf schlechte Nachrichten. Obwohl institutionelle Abflüsse, geringere Erwartungen an Zinssenkungen und anhaltende Inflationssorgen das Umfeld belasten, fällt Bitcoin nicht mehr dynamisch auf neue Tiefstände. Selbst größere Verkaufsaktivitäten werden bislang vergleichsweise gut absorbiert. Wenn schlechte Nachrichten keine neuen Tiefs mehr erzeugen, kann dies auf nachlassenden Verkaufsdruck hindeuten.
Hinzu kommt, dass Bitcoin bereits seit mehreren Monaten eine relativ stabile Bodenstruktur ausbildet. Die Käufer sind zwar noch nicht stark genug für einen nachhaltigen Aufwärtstrend, verteidigen aber wiederholt die Zone oberhalb von rund 60.000 US-Dollar. Gleichzeitig entstehen teilweise höhere lokale Tiefs. Dies wäre ein typisches frühes Merkmal einer Akkumulationsphase.
Auch außerhalb des Bitcoin-Charts mehren sich konstruktive Signale. Krypto-native Anwendungen gewinnen wieder Nutzer, einzelne Plattformen melden steigende Umsätze und institutionelle Marktteilnehmer zeigen erneut öffentliches Interesse an Bitcoin und Blockchain-Infrastruktur. Parallel nimmt die Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken wieder zu. Solche Entwicklungen treten häufig auf, bevor sich das verbesserte Sentiment vollständig im Kurs widerspiegelt.
Für eine bestätigte Bodenbildung fehlen dennoch klare Beweise. Hilfreich wären sinkende Börsenbestände, negative Nettozuflüsse zu Handelsplattformen, ein weiterhin moderates Open Interest sowie ein dauerhafter Anstieg des Short-Term-Holder-SOPR über 1. Technisch müsste Bitcoin zudem wichtige Widerstände zurückerobern und anschließend ein höheres Hoch ausbilden.
Der Markt befindet sich daher wahrscheinlich in einer Übergangsphase. Eine letzte Kapitulation bleibt möglich. Gleichzeitig spricht die zunehmende Widerstandskraft dafür, dass der langfristige Boden bereits näher sein könnte, als es die aktuell schwache Stimmung vermuten lässt.
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