Kupfer überholt Bitcoin: Warum Metalle 2025 dominieren
Kupfer ist diese Woche erstmals über die Marke von 12.000 USD pro Tonne gestiegen. Bloomberg berichtete zusätzlich von einem Rekordhoch in China, während auch die US-Notierungen weiter zulegten. Bitcoin dagegen liegt im laufenden Jahr rund 6 Prozent im Minus – ein Kontrast, der die Debatte über den sogenannten Entwertungshandel neu befeuert.
Metall-Saison statt Altcoin-Season
Während die Krypto-Community weiter auf eine Altcoin-Season und neue Bitcoin-Höchststände wartet, hat sich 2025 zu einem Jahr der Metalle entwickelt. Gold legte laut The Kobeissi Letter um 72 Prozent zu und gewann 13,2 Billionen USD an Marktkapitalisierung. Silber stieg um 155 Prozent auf 4,2 Billionen USD und ist damit zum drittgrößten Asset der Welt aufgestiegen. Platin kletterte um 159 Prozent.

Kupfer hat diesen Aufschwung um eine Industriemetall-Komponente erweitert. Mit einem Jahresplus von über 40 Prozent hat das Metall Bitcoin klar überholt. Viele Analysten bezeichnen die Entwicklung inzwischen als Metall-Saison und erwarten, dass sie sich im kommenden Jahr fortsetzen könnte.
Warum das Angebot nicht mithält
Hinter dem Kupfer-Anstieg steht ein zunehmend angespanntes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Analyst Otavio Costa verweist darauf, dass die Produktion trotz hoher Preise nicht gestiegen ist. Die Förderung im größten Kupfer-Produzentenland der Welt liege aktuell auf dem schwächsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Costa sieht Kupfer deshalb als eines der wichtigsten Makro-Assets für 2026 und hält eine Phase echter Preisfindung für möglich.
Zusätzlichen Druck liefert laut JPMorgan die Angebotsseite: Die Grasberg-Mine in Indonesien, die zweitgrößte Kupfermine der Welt, bleibt nach einem tödlichen Erdrutsch im September unterausgelastet. Zugleich wurde die Produktionsprognose der Quebrada-Blanca-Mine in Chile wegen betrieblicher Schwierigkeiten nach unten korrigiert. Investor und Trader Zafar Shaikh erwartet für 2026 eine weitere Ausdehnung der Rohstoffrallye und ordnet harte Werte in den Zusammenhang von Inflation und hoher Staatsverschuldung ein.

Bitcoin bleibt umstritten
Für Bitcoin fällt die Prognose deutlich gemischter aus. Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Digital, hält 2026 für zu chaotisch, um es verlässlich vorherzusagen. Jim Cramer äußerte sich zuletzt pessimistischer zu Bitcoin, während wichtige Kennzahlen auf schwierige Zeiten für BTC zu Beginn des Jahres 2026 hindeuten.
Wie unterschiedlich Anleger die Lage bewerten, zeigt ein einzelner Fall: Ein Trader namens BarkMeta verkaufte nach eigenen Angaben sämtliche Bitcoin-Bestände, um physische Nickel-Münzen zu kaufen. Er verwies darauf, dass der Nennwert einer Nickel-Münze bei fünf Cent liege, der Metallwert aus Kupfer und Nickel aber bei rund 6,2 Cent. Bereits im Oktober beschrieb Analyst Jesse Colombo Kupfer als mögliche zweite Chance für Investoren, die den Beginn der Gold- und Silber-Hausse verpasst haben.
Was das für Krypto-Investoren bedeutet
Für den Krypto-Markt liefert die Kupfer-Entwicklung vor allem einen Hinweis auf die aktuelle Anlegerstimmung. Das steigende Interesse an Kupfer deutet darauf hin, dass reale Knappheit bei Metallen derzeit stärker im Fokus steht als digitale Wertaufbewahrungs-Narrative. Zugleich bleibt offen, ob die Metall-Saison Krypto dauerhaft überstrahlen wird.
Die Entwicklung bei Kupfer wird dabei von mehreren Faktoren geprägt: einem knappen Angebot, Störungen in der Minenproduktion und einer hohen Nachfrage. Rechenzentren, Fabriken für Elektrofahrzeuge, Stromnetze und Infrastruktur für künstliche Intelligenz sind auf Kupferverkabelung angewiesen. Sinkende Lagerbestände in China und steigende Nachfrage nach kupferintensiven Produkten werden ebenfalls als Faktoren für den Kursanstieg genannt.
Offene Fragen für 2026
Für 2026 bleibt die Frage, ob sich die von Analysten erwartete Rohstoffrallye tatsächlich fortsetzt. Bei Kupfer stehen dabei die angespannte Angebotslage und die Produktionsprobleme wichtiger Minen im Mittelpunkt. Für Bitcoin bleiben die Signale gemischt: Einige Marktbeobachter rechnen mit schwierigen Zeiten zu Jahresbeginn, während andere für die größte Kryptowährung im kommenden Jahr steigende Kurse und neue Allzeithochs für möglich halten.