Grayscale-Analyst: Makrofaktoren ersetzen den Bitcoin-Vierjahreszyklus

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März 2026
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Patrick Krauss ist Krypto-Autor mit Schwerpunkt auf Marktnews und Plattform-Vergleichen. Bei Cryptonews DE schreibt er vor allem Krypto-News und Branchenmeldungen. Darüber hinaus analysiert er...

Zuletzt aktualisiert am: 

Bitcoin notiert aktuell rund vier Prozent in den letzten 30 Tagen im Plus, liegt rund 49% unter seinem zyklischen Hoch. Genau in dieser Spannung zwischen Erholung und anhaltender Schwäche verortet Grayscale seine neue Kernthese: Der Bärenmarkt könnte bereits vorbei sein, sofern die US-Notenbank Fed keine weiteren Zinserhöhungen vornimmt. Die Argumentation verknüpft klassische Marktzyklusmodelle mit makroökonomischen Variablen – und stellt damit eine der zentralen Annahmen der Krypto-Community direkt in Frage.

Zach Pandl verwirft den Vier-Jahres-Zyklus

Grayscale-Chefresearcher Zach Pandl legte am Mittwoch eine Research-Note vor, in der er zwei konkurrierende Narrative gegenüberstellt. Das erste ist das bekannte Vier-Jahres-Zyklusmodell, das Bitcoin-Halvings – Ereignisse, bei denen die Mining-Belohnungen automatisch halbiert werden – als primären Kurstreiber betrachtet. Pandl beschreibt dieses Modell, um es dann systematisch zu demontieren.

Dem Vier-Jahres-Modell zufolge erreicht Bitcoin seinen Tiefpunkt typischerweise etwa ein Jahr nach dem zyklischen Hoch und rund 2,5 Jahre nach dem Halving, mit einem durchschnittlichen kumulativen Drawdown von rund 80 Prozent. Bezogen auf aktuelle Kursniveaus würde das einen weiteren Rückgang in Richtung 50.000 US-Dollar implizieren, mit einem Boden im September oder Oktober. 21Shares, das Exchange-Traded-Products-Haus, hatte den Vier-Jahres-Zyklus bereits für überwunden erklärt, räumte jedoch im Juni ein, dass die Kursstruktur nach wie vor mit historischen Mustern übereinstimmt. CryptoQuant hatte im Februar einen technischen Boden bei 55.000 US-Dollar auf Basis des damaligen Realized Price – also dem durchschnittlichen Einstandspreis aller On-Chain-Bestände – identifiziert.

Grayscale hält dieses Rahmenwerk für überholt. Pandl argumentiert, dass Bitcoin sich strukturell von einem spekulativen Retail-Asset zu einem makroökonomischen Asset entwickelt hat, das eher mit Gold oder zinssensitiven Technologiewerten vergleichbar ist. Diese Einschätzung ist nicht neu – –, erhält aber durch die aktuellen Marktbedingungen neues Gewicht.

Fed-Politik als eigentlicher Kurstreiber

Der Kern von Pandls Analyse: Vergangene Bitcoin-Bärenmärkte fielen mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und steigenden Realzinsen – also den inflationsbereinigten Renditen auf Anleihen – zusammen. Der aktuelle Drawdown folgt demselben Muster. Die Ernennung von Kevin Warsh zum Fed-Vorsitzenden – als hawkish geltender Kandidat – ließ Marktteilnehmer eine restriktivere Geldpolitik einpreisen und löste eine scharfe Reversal aus; Bitcoin fiel kurzzeitig unter 58.000 US-Dollar.

Exterior view of the Eccles Building, the headquarters of the Federal Reserve in Washington, D.C.
The Federal Reserve Board building, also known as the Eccles Building, in Washington, D.C.

Pandl argumentiert: Wenn die Makrofaktoren wieder drehen, könnte Bitcoins Preis bereits am Tiefpunkt sein: Wenn die Fed auf weitere Zinserhöhungen verzichtet und das Wirtschaftswachstum stabil bleibt, könnte der Boden bereits hinter Bitcoin liegen. Diese Logik ist konsistent mit der beobachtbaren Markterholung – Bitcoin hat sich seit seinem Julitief von 57.717 US-Dollar um mehr als zehn Prozent erholt, und Spot-ETFs verzeichneten sieben Handelstage in Folge mit Nettozuflüssen von insgesamt fast einer Milliarde US-Dollar. Zur Erklärung: Spot-ETFs sind börsengehandelte Fonds, die direkt mit physischem Bitcoin hinterlegt sind und über reguläre Brokerage-Konten zugänglich sind.

Grayscales Kernaussage lautet: Das Vier-Jahres-Zyklusmodell prognostiziert neue Tiefs, die Makroperspektive deutet dagegen darauf hin, dass die Talsohle möglicherweise bereits erreicht wurde. Das ist kein Freifahrtschein für unbegrenzte Aufwärtsbewegung – Pandl benennt explizit das Risiko weiterer moderater Rückgänge, Wer sich fragt, ob der aktuelle Zeitpunkt strategisch günstig ist, muss also vor allem die Fed-Signale lesen.

Zwei Katalysatoren im Fokus: Fed-Sitzung und Clarity Act

Grayscale identifiziert zwei konkrete Ereignisse als kurzfristige Preiskatalysatoren. Erstens die Fed-Sitzung am 29. Juli, bei der die nächste Zinsentscheidung fällt. Der Markt beobachtet die Fed-Kommunikation derzeit mit ungewöhnlicher Intensität, da die Erwartungen zwischen Pause und erneutem Zinsschritt schwanken. Zweitens der Clarity Act – ein weitreichendes US-amerikanisches Krypto-Marktstrukturgesetz, das die Aufsichtszuständigkeiten zwischen der SEC (Securities and Exchange Commission, zuständig für Wertpapiere) und der CFTC (Commodity Futures Trading Commission, zuständig für Warenderivate) neu aufteilen würde. Der Senat hat für dieses Gesetz eine Frist bis zum 7. August.

Sollte der Clarity Act den Senat passieren und in Kraft treten, erwarten viele Marktteilnehmer einen positiven Impuls für Bitcoin und den breiteren Kryptomarkt – durch Rechtssicherheit und klarere institutionelle Rahmenbedingungen. Pandl rahmt beide Ereignisse nicht als Garantie, sondern als die entscheidenden Weichenstellungen: Sie definieren, ob Grayscales Makro-These Bestätigung findet oder ob die Bären doch noch einen weiteren Anlauf nehmen.

Bitcoin liegt heute leicht unter dem gestrigen Niveau, ist auf 30-Tage-Basis aber rund vier Prozent im Plus. Die Fed entscheidet in sechs Tagen über die nächste Zinssache.

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