DeFi-Industrie drängt CFTC: Entwickler und Wallets sollen Registrierungspflicht entgehen

Phantom und das Hyperliquid Policy Center haben die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) – die für Warenterminmärkte und Derivate zuständige Bundesbehörde – in einem formellen Schreiben aufgefordert, Blockchain-Protokollentwickler und Anbieter sogenannter Non-Custodial Wallets (Wallets ohne Verwahrung von Kundengeldern) von Regulierungsanforderungen auszunehmen, die für klassische Finanzintermediäre konzipiert wurden. Die Eingabe reagiert auf eine offizielle Informationsanfrage der CFTC zu Regulierungsauswirkungen auf Fintech-Unternehmen und markiert einen der bisher konkretesten Vorstöße der DeFi-Industrie in Richtung Washington.
Was die Unternehmen konkret verlangen
Der Kern des Anliegens ist dreigeteilt: Die Unternehmen fordern erstens eine behördliche Klarstellung, dass Blockchain-Protokollentwickler allein durch die Erstellung von Software keine Registrierungspflicht auslösen. Zweitens soll die CFTC Guidance herausgeben, die es bereits regulierten Derivatehändlern erlaubt, Blockchain-Infrastruktur für Handelsausführung, Clearing, Settlement, Margining und Recordkeeping zu nutzen. Drittens soll kodifiziert werden, dass Non-Custodial Wallet-Anbieter nicht als sogenannte Introducing Brokers behandelt werden – also als Vermittler, die Kunden an Handelsplätze weiterleiten.

Das Argument dahinter ist strukturell: Bestehende CFTC-Regeln setzen voraus, dass ein Intermediär Kundenvermögen hält oder Orders ausführt. Onchain-Protokolle tun weder das eine noch das andere – Nutzer handeln direkt, ohne dass eine dritte Partei Kontrolle über Gelder oder Transaktionen übernimmt. Registrierungspflichten sollten daher an die Funktion gebunden sein, nicht an die Software selbst.
Sollte die CFTC keine Anpassungen vornehmen, so die Argumentation der Antragsteller, blieben amerikanische Nutzer weiterhin vom Zugang zu Onchain-Derivatemärkten abgeschnitten – während die Innovation offshore stattfindet.
Incumbent-Börsen auf der Gegenseite
Die Eingabe fällt in ein politisch aufgeladenes Umfeld. Im Mai hatten Intercontinental Exchange (ICE) und die CME Group Regulatoren aufgefordert, Hyperliquid – eine dezentrale Perpetual-Futures-Plattform, die zuletzt auch im Kontext des DeFi-Booms an Aufmerksamkeit gewonnen hat – stärker unter die Lupe zu nehmen. Die Begründung: Energiederivate auf einer dezentralen Plattform gefährdeten Marktintegrität und öffneten Manipulationsspielräume.
Wenige Wochen später schwenkte ICE-CEO Jeffrey Sprecher auf eine andere Linie: Er verlangte ein „Level Playing Field“, das regulierten Börsen erlaube, rund um die Uhr Onchain-Perpetual-Futures anzubieten – weil bestehende Regeln traditionelle Handelsplätze im Wettbewerb mit Plattformen wie Hyperliquid faktisch benachteiligten. Sprecher bestätigte zudem Sondierungsgespräche mit Hyperliquid selbst.
Parallel dazu hat die CME die CFTC im Juni auf dem Rechtsweg angegriffen: Der Exchange-Betreiber klagte gegen die Behördengenehmigung für Krypto-Perpetual-Futures und argumentiert, die CFTC habe dabei ihre gesetzlichen Befugnisse unter dem Commodity Exchange Act überschritten. Die CME baut gleichzeitig ihr eigenes reguliertes Krypto-Derivategeschäft aus – zuletzt mit Futures auf Avalanche und Sui sowie Bitcoin-Volatilitätsfutures.

Regulatorische Weichenstellung mit Marktrelevanz
Für die breitere US-Regulierungsdebatte rund um digitale Assets ist der Vorstoß von Phantom und Hyperliquid aus einem Grund bedeutsam: Er versucht, die Compliance-Logik von der Entitätsebene auf die Funktionsebene zu verschieben. Nicht wer Software schreibt, sondern wer Kundengelder verwahrt oder Handelsaufträge ausführt, soll registrierungspflichtig sein.
Ob die CFTC diesem Ansatz folgt, wird maßgeblich davon abhängen, wie die Behörde den laufenden Rechtsstreit mit der CME und den politischen Druck aus der Incumbent-Industrie gewichtet. Eine formelle Guidance oder ein No-Action-Relief – wie das Dezember 2025 vom Market Participants Division der CFTC herausgegebene Schreiben zur Akzeptanz von Stablecoins und Bitcoin als Sicherheiten – wäre ein erster messbarer Schritt. Bis dahin bleibt die Rechtslage für Onchain-Derivateplattformen, die US-Nutzer adressieren wollen, strukturell ungelöst.
