MAS fordert volle Stablecoin-Reserven und stoppt Renditemodelle
Die Monetary Authority of Singapore (MAS), Singapurs Finanzaufsichtsbehörde, hat Änderungen des Payment Services Act vorgeschlagen, die Stablecoin-Emittenten künftig zur vollständigen Besicherung ihrer Token verpflichten und ihnen die Zahlung von Zinsen oder vergleichbaren Vorteilen an Inhaber untersagen würden. Für den Markt bedeutet das eine weitere Verengung des regulatorischen Spielraums für renditeorientierte Stablecoin-Modelle, wie sie zuletzt in DeFi-Protokollen verbreitet waren.
Was die neuen Regeln konkret vorsehen
Emittenten sollen jederzeit Vermögenswerte in Höhe von mindestens 100 Prozent aller im Umlauf befindlichen Token halten. Diese Reserven müssen getrennt von den eigenen Mitteln der Emittenten geführt und ausschließlich bei lizenzierten Finanzinstituten verwahrt werden. Ziel ist ein größerer Schutz für Inhaber bei der Einlösung, indem ausreichende Rücklagen bis zur Rückzahlung gesichert bleiben.
Parallel dazu würde den Emittenten explizit untersagt, Zinsen oder andere an die Stablecoin-Bestände gekoppelte Vorteile auszuzahlen. Die MAS erklärte in ihrem Konsultationspapier, dass Stablecoins für Zahlungen genutzt werden sollten, nicht als Anlageprodukt oder zur Renditeerzielung durch die Öffentlichkeit.
Anschluss an internationale Standards
Der Ansatz stehe laut MAS im Einklang mit internationalen aufsichtsrechtlichen Praktiken. Sowohl das US-amerikanische GENIUS-Gesetz als auch die EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets (MiCA) verbieten Stablecoin-Emittenten bereits ausdrücklich die Zahlung von Zinsen oder Erträgen. Ho Hern Shin, stellvertretende Geschäftsführerin für Finanzaufsicht bei der MAS, verweist darauf, dass vertrauenswürdige und gut regulierte Stablecoins als glaubwürdiges Abwicklungsinstrument in tokenisierten Finanzmärkten dienen können, während gleichzeitig Risiken für Nutzer und das breitere Finanzsystem gemindert werden.

Die MAS stellt Stablecoins damit funktional näher an Bankeinlagen als an Investmentprodukte. Diese Positionierung setzt sich seit der ersten Konsultation im Oktober 2022 fort, deren Feedback im August 2023 in ein erstes Regelwerk für Single-Currency Stablecoins mündete.
Offene Fragen und begrenzte Anerkennung ausländischer Token
Die aktuelle Konsultation sieht zudem eine begrenzte Anerkennung ausländischer Stablecoins vor, die unter vergleichbaren Rahmenwerken reguliert sind. Wie diese Anerkennung praktisch funktionieren soll, wie Verantwortlichkeiten bei gemeinsam ausgegebenen Token verteilt würden und ob Übergangsregelungen für bereits in Singapur ansässige Emittenten gelten, bleibt bislang offen. Ein konkreter Umsetzungstermin wurde ebenfalls nicht genannt, die Konsultation läuft noch bis zum 16. Oktober.
Praxistests laufen bereits
Während die Regeln noch in der Konsultationsphase stecken, werden regulierte Stablecoins in Singapur bereits getestet. Ripple prüft im Sandbox-Programm der Zentralbank, ob sein Stablecoin RLUSD manuelle Zahlungsprozesse im grenzüberschreitenden Handel ersetzen kann. Die Tests sind Teil von BLOOM, einer MAS-Initiative zur Erweiterung der Abwicklungsmöglichkeiten für tokenisierte Bankverbindlichkeiten und regulierte Stablecoins.

Einordnung für den Markt
Für Emittenten mit Sitz oder Ambitionen in Singapur verengt sich das Geschäftsmodell klar auf Zahlungsabwicklung statt Renditeprodukt. Das dürfte insbesondere Anbieter treffen, die Stablecoin-Zinsen als Kundenbindungsinstrument nutzen, während klassische Payment-Use-Cases wie RLUSD von der regulatorischen Klarheit profitieren könnten. Der Schulterschluss mit GENIUS-Gesetz und MiCA signalisiert zudem, dass sich ein globaler Konsens gegen renditeorientierte Stablecoin-Modelle verfestigt.
Quelle: MAS Konsultationspapier