Harmony-Plan setzt ONE-Halter mit DeFi-Positionen unter Zeitdruck
Harmony hat vorgeschlagen, seine eigenständige Layer-1 stillzulegen und den nativen Token ONE auf Ethereum zu migrieren. Laut Vorschlag sollen gewöhnliche Wallet- und Börsenguthaben per Snapshot automatisch als ERC-20-Token auf Ethereum abgebildet werden, während Positionen in Multisig-Safes, Liquiditätspools und sonstigen Onchain-Anwendungen nicht migrierbar sind.
Harmony schlägt Migration von ONE zu Ethereum vor
Der Vorschlag kam am Sonntag und sieht einen finalen Netzwerk-Snapshot vor, nach dem ERC-20-ONE auf Ethereum ausgegeben und Börsenlistings entsprechend umgestellt werden sollen. Harmony bezeichnet das Vorhaben ausdrücklich als nicht bindend und hat weder festgelegt, wann der finale Block produziert wird, noch ob die Abschaltung tatsächlich dem validatorengestützten Governance-Prozess des Netzwerks vorgelegt wird.
Validatoren sollen laut Vorschlag drei Optionen erhalten: die eigenen Nodes abschalten, als Governors weitermachen oder sich an einer neuen KI-Video-Initiative des Projekts beteiligen. Für Validatoren, die rechtzeitig abschalten, ihre Stakes behalten und als Governors fungieren, ist ein Kompensationspool von 1,372 Millionen US-Dollar vorgesehen.
Kritisch wird es für Nutzer von Smart-Contract-Anwendungen: Multisig-Safes, Liquiditätspools und Onchain-Anwendungen lassen sich nach dem aktuellen Stand nicht migrieren. Harmony fordert deshalb, entsprechende Positionen vor dem 10. September zu verlassen – ein Zeitfenster, das angesichts der Komplexität mancher DeFi-Positionen knapp bemessen ist. Wie sich Ether als Zielkette der Migration derzeit positioniert, lässt sich im Kontext der aktuellen Ethereum-Kursentwicklung einordnen.
So soll der ONE-Snapshot funktionieren
Alle ONE-Guthaben sollen zum finalen Block der Kette erfasst und die neuen ERC-20-Token an dieselben Adressen auf Ethereum verteilt werden – ohne dass Halter einen gesonderten Claim-Prozess durchlaufen müssen. Der Snapshot soll Wallets, Staking-Delegationen, Validator-Rewards, Smart Contracts sowie Bestände auf zentralen Börsen abdecken.
Formal bleibt der Prozess an Harmonys veröffentlichte Governance-Regeln gebunden: Gewählte Validatoren können Vorschläge einbringen, während auch nicht gewählte Validatoren stimmberechtigt sind, mit Stimmgewicht nach Gesamteinsatz. Für eine Annahme sind 51 Prozent Beteiligung des gesamten Stake-Gewichts und 66,7 Prozent Zustimmung erforderlich, nach einer siebentägigen Einführungsphase und 14 Tagen Abstimmung.
Exploit als unmittelbarer Hintergrund
Der Vorschlag folgt weniger als vier Wochen auf einen Exploit, der gefälschte ONE-Token erzeugte. Am 12. August erwog Harmony einen Rollback, nachdem Berichte von fast vier Milliarden unerlaubt erzeugten ONE kursierten – rund 26 Prozent des Angebots. Ein externer Account behauptete damals, etwa 2,8 Milliarden dieser Token seien an Börsen gelangt, was Harmony zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigte.

Am 17. August kündigte Harmony an, die Blockchain auf einen Checkpoint vom 11. August zurückzusetzen und dabei 109.126 reguläre sowie 315 Staking-Transaktionen zu verwerfen. Harmony erklärte, Ermittler hätten nahezu alle gefälschten Token Wallets oder Servicegrenzen zuordnen können und arbeiteten mit Börsen, Bridges und Strafverfolgungsbehörden zusammen.
Folgen für ONE-Halter
Für die Mehrheit der Halter mit gewöhnlichen Wallet- oder Börsenguthaben soll der Übergang laut Plan ohne aktives Zutun erfolgen, da Staking-Delegationen und Validator-Rewards im Snapshot berücksichtigt werden. Wer dagegen Bestände in Multisig-Strukturen, Liquiditätspools oder anderen Smart-Contract-Anwendungen hält, muss vor dem 10. September aktiv handeln, um diese Positionen nicht zurückzulassen.
Der konkrete Ablauf der Börsenmigration bleibt vorerst offen. Sollte der Vorschlag den Governance-Prozess durchlaufen, würde er Harmonys Status als eigenständige Layer-1 nach sieben Jahren Mainnet-Betrieb beenden – ein Schritt, der weniger eine Reparatur des Netzwerks als dessen Auflösung als unabhängige Chain markieren würde.