FinCEN analysiert 33.904 Meldungen zu Krypto-Scam-Netzwerken
Das US-Finanzministerium über sein Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN), die für die Bekämpfung von Geldwäsche zuständige Behörde des Treasury Department, ordnet rund 12,7 Milliarden Dollar an gemeldeter mutmaßlicher Finanzaktivität internationalen Krypto-Investmentbetrugsnetzwerken zu. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich laut FinCEN um von Instituten gemeldete Verdachtsaktivität, nicht um bestätigte Opferverluste.
FinCEN erfasst 12,7 Milliarden Dollar mutmaßlicher Aktivität
Grundlage der Analyse sind 33.904 Meldungen nach dem Bank Secrecy Act, dem US-Gesetz zur Meldung verdächtiger Finanztransaktionen, die zwischen dem 8. September 2023 und dem 31. Dezember 2025 eingereicht wurden. Betroffen waren laut FinCEN Personen in allen 50 US-Bundesstaaten sowie mehreren US-Territorien.
Entscheidend ist die Definition: Die 12,7 Milliarden Dollar umfassen versuchte oder nicht ausgezahlte Transaktionen, Nachmeldungen, Transfers zwischen Konten sowie sowohl legale als auch illegale Aktivität im Zusammenhang mit einer gemeldeten Person. Getrennt davon meldete das FBI für 2025 von Opfern bestätigte Krypto-Verluste in Höhe von 11,37 Milliarden Dollar, darunter rund 7,2 Milliarden Dollar aus Krypto-Investmentbetrug. Es handelt sich um eine separate Kennzahl, die nicht mit der FinCEN-Zahl verrechnet werden sollte.
So arbeiten die internationalen Scam-Zentren
FinCEN verortet die Netzwerke überwiegend bei transnationalen kriminellen Organisationen mit Basis in Südostasien, die industriell organisierte Scam-Zentren betreiben. Diese nutzen falsche Identitäten und Social-Engineering-Taktiken, um persönliche oder geschäftliche Beziehungen zu potenziellen Opfern aufzubauen. Über gefälschte Websites und Apps imitieren sie legitime Investmentdienste, zeigen fiktive Gewinne an und drängen Opfer zu weiteren Überweisungen.
Die Betreiber beschaffen laut FinCEN zudem Phishing-, Kontoeröffnungs- und Geldwäschedienste über Online-Märkte, die als Guarantee Marketplaces bezeichnet werden. Professionelle Geldwäscher setzen Shell-Unternehmen und Finanzkonten ein, bewegen Gelder über Netzwerke aus Money Mules und leiten Erlöse an Digital-Asset-Börsen außerhalb der USA weiter. Nahezu alle Scam-Erlöse landeten laut FinCEN in Stablecoins, fast ausschließlich in USDT.
Frühere Berichte zur Strafverfolgung nannten mehr als 580 Millionen Dollar an eingefrorenen oder beschlagnahmten Kryptowerten im Zusammenhang mit südostasiatischen Scam-Zentren bis März. Eine internationale Operation im April führte demnach zu mindestens 276 Festnahmen und zur Zerschlagung von neun Scam-Zentren.
FinCEN nennt Warnsignale für Banken
FinCEN fordert Finanzinstitute auf, Transaktionen mit mutmaßlichen Scam-Betreibern, Money Mules, Shell-Unternehmen, Guarantee Marketplaces und professionellen Geldwäschenetzwerken gezielt zu überwachen. Die Behörde ermutigt zudem zum freiwilligen Informationsaustausch nach Section 314(b) des USA Patriot Act und bittet Institute, bei einschlägigen Verdachtsmeldungen den Schlüsselbegriff „FIN-2026-SCAMCENTERS“ zu verwenden.
Als typische Warnzeichen nennt FinCEN unaufgeforderte Nachrichten, ungewöhnlich hohe Renditeversprechen, Aufforderungen zur Nutzung unbekannter Investmentplattformen sowie zusätzliche Gebührenforderungen vor Auszahlungen. Krypto-Betrug kann dabei auch gefälschte Börsen, über persönliche Beziehungen vermittelte Anlageangebote und Phishing-Versuche umfassen. Betroffene sollen sich unverzüglich an ihre Finanzinstitute wenden und Vorfälle dem Internet Crime Complaint Center des FBI oder der nächstgelegenen Dienststelle des US Secret Service melden.

Regulatorischer Druck und nächste Schritte
Bundesbehörden gehen laut den vorliegenden Angaben gegen die Infrastruktur vor, die solche Operationen unterstützt. Genannt werden dabei Beschlagnahmen, Sanktionen, Strafverfahren und internationale Kooperation. FinCEN verknüpft die Ziele der Warnung ausdrücklich mit einer am 6. März erlassenen Verordnung des Weißen Hauses, die den Schutz von US-Bürgern vor Cyberkriminalität, Betrug und räuberischen Machenschaften zur Politik erklärt.
Meldungen nach dem Bank Secrecy Act bezeichnet FinCEN als zentrales Werkzeug für Ermittlungen und für Versuche, Opfern ihr Geld zurückzuerstatten. Die Warnung richtet sich damit vor allem an Finanzinstitute und beschreibt zugleich Hinweise, an denen Betroffene verdächtige Krypto-Investmentangebote erkennen können.
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