Circle-Aktie hat laut Bernstein über 100 % Kurspotenzial

Stablecoins gelten als einer der klarsten Wachstumsmärkte innerhalb der Digital-Asset-Branche. Kaum ein anderes Krypto-Produkt verfügt bereits über einen vergleichbaren Product-Market-Fit: Dollarbasierte Token ermöglichen schnelle Zahlungen, globale Transfers, Handel und die effiziente Abwicklung institutioneller Transaktionen.
Einer der führenden Emittenten ist Circle, dessen USDC mittlerweile fest im internationalen Finanzsystem verankert ist. Dennoch geriet die Circle-Aktie zuletzt erheblich unter Druck. Neue Konkurrenz durch OpenUSD verunsicherte Anleger und stellte den bisherigen Wachstumspfad infrage. Die Analysten von Bernstein halten die Reaktion jedoch für überzogen. Trotz eines reduzierten Kursziels sehen sie bei der Circle-Aktie weiterhin mehr als 100 Prozent Potenzial.
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Circle-Aktie: Bernstein sieht mehr als 100 Prozent Kurspotenzial
Bernstein hat das Kursziel für die Circle-Aktie zwar deutlich von 190 auf 140 US-Dollar reduziert, hält jedoch weiterhin an der Einstufung „Outperform“ fest. Ausgehend vom jüngsten Schlusskurs von 64,32 US-Dollar entspricht das neue Ziel einem Kurspotenzial von rund 118 Prozent. Die Analysten rechnen somit weiterhin mit einer möglichen Verdopplung des Aktienkurses, obwohl sie ihre Erwartungen vorsichtiger formulieren.
Entscheidend für die bullische Einschätzung ist der langfristige Wachstumspfad des Stablecoin-Marktes. Bernstein erwartet, dass dessen Gesamtvolumen bis 2035 auf rund vier Billionen US-Dollar anwachsen könnte. Circle soll davon langfristig etwa 30 Prozent kontrollieren. Damit würde das von Circle verwaltete Stablecoin-Volumen auf ungefähr 1,2 Billionen US-Dollar steigen – ein Vielfaches des heutigen Niveaus.
Die Analysten sehen Circle nicht nur als Herausgeber eines digitalen Dollars. Das Unternehmen baut vielmehr eine umfassende Infrastruktur für programmierbare Zahlungen, grenzüberschreitende Transfers und institutionelle Blockchain-Anwendungen auf. Mit zunehmender Verbreitung von USDC könnten sowohl die Reserveerträge als auch transaktionsbasierte Umsätze wachsen.
Das reduzierte Kursziel berücksichtigt allerdings den steigenden Wettbewerbsdruck und mögliche geringere Margen. Neue Stablecoins könnten Banken, Zahlungsdienstleistern und Plattformen attraktivere Erlösmodelle anbieten. Dennoch geht Bernstein davon aus, dass Circle von seinem regulatorischen Vorsprung, der vorhandenen Liquidität und den etablierten Partnerschaften profitieren wird. Der Markt habe die Konkurrenzgefahr zuletzt stärker eingepreist, als es die tatsächlichen fundamentalen Risiken rechtfertigten.
OpenUSD belastet Circle – doch die Angst könnte übertrieben sein
OpenUSD beziehungsweise OUSD ist ein neuer Stablecoin-Ansatz, der von einem Konsortium aus mehr als 140 Unternehmen unterstützt wird. Dazu sollen bekannte Finanz- und Technologieunternehmen wie Visa, Mastercard und Stripe gehören. Das Modell unterscheidet sich vor allem durch seine ökonomischen Anreize von klassischen Stablecoins: Partner sollen an den Erträgen der hinterlegten Reserven beteiligt werden und OUSD ohne zusätzliche Ausgabegebühren integrieren können. Dadurch entsteht für große Distributoren ein direkter finanzieller Anreiz, den Stablecoin zu verbreiten.
Diese Struktur sorgte bei Circle-Anlegern für erhebliche Verunsicherung. Marktteilnehmer befürchteten, dass wichtige Plattformen Liquidität von USDC abziehen und stattdessen OpenUSD unterstützen könnten. Besonders kritisch wäre ein Strategiewechsel etablierter Circle-Partner, da USDC stark von Reichweite, Integration und verfügbarer Liquidität profitiert.
Bernstein hält dieses Szenario jedoch für weniger bedrohlich als zunächst angenommen. Visa stellte im Rahmen seines Earnings Calls klar, dass das Unternehmen weiterhin eine Multi-Coin- und Multi-Chain-Strategie verfolgt. Visa wolle keinen einzelnen Gewinner bestimmen, sondern Kunden unabhängig vom verwendeten Stablecoin oder Netzwerk anbinden. Auch bestehende USDC-Integrationen dürften deshalb fortgeführt werden. Visa wickelt bereits Stablecoin-Settlements mit USDC ab und erweitert parallel die Zahl der unterstützten Blockchains.
Die Unterstützung der Konsortialpartner ist somit nicht automatisch mit einer exklusiven strategischen Festlegung auf OUSD gleichzusetzen. OpenUSD erhöht den Wettbewerbsdruck, muss jedoch erst Liquidität, Vertrauen und tatsächliche Nutzung aufbauen.
Stablecoin-Daten: Circle bleibt die klare Nummer zwei
Die aktuellen Daten von RWA.xyz verdeutlichen, wie stark Circle bereits im Stablecoin-Markt positioniert ist. Demnach verwaltet Tether Holdings Stablecoins mit einem Gesamtwert von rund 177,9 Milliarden US-Dollar und erreicht damit einen Marktanteil von 59,83 Prozent. Circle folgt mit etwa 70,1 Milliarden US-Dollar und 23,60 Prozent Marktanteil auf Rang zwei.

Damit kontrollieren Tether und Circle zusammen mehr als 83 Prozent des erfassten Marktes. Der Abstand zur Konkurrenz ist enorm: Die Binance Bridge erreicht auf dem dritten Platz lediglich rund 11 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 3,72 Prozent. Anbieter wie Paxos, Ethena und MakerDAO bewegen sich jeweils nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Circle besitzt somit bereits eine Größenordnung, die neue Wettbewerber erst über Jahre aufbauen müssten. USDC verfügt über tiefe Liquidität, zahlreiche Börsenintegrationen und eine breite Multi-Chain-Verfügbarkeit. Laut der dargestellten RWA.xyz-Daten entfallen allein auf Ethereum rund 47,7 Milliarden US-Dollar in USDC. Hinzu kommen etwa 6,8 Milliarden US-Dollar auf Solana, 5,7 Milliarden US-Dollar auf HyperEVM und 4,2 Milliarden US-Dollar auf Base.

OpenUSD könnte Circle langfristig Marktanteile abnehmen und den Margendruck erhöhen. Die aktuelle Dominanz von USDC zeigt jedoch, dass Netzwerkeffekte im Stablecoin-Sektor eine hohe Eintrittsbarriere darstellen. Circle startet daher nicht als austauschbarer Anbieter, sondern als etablierte Infrastrukturplattform mit einem beträchtlichen Vorsprung.
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