Banken bündeln Kräfte für Stablecoin-Start im Jahr 2027
Ein Konsortium aus 21 Finanzinstituten – darunter Bank of America, Citi, Goldman Sachs, Wells Fargo, PNC und Capital One – hat seine Unterstützung für einen gemeinsamen Dollar-Stablecoin angekündigt. Damit rückt das größte koordinierte Vorhaben traditioneller Banken im Stablecoin-Markt in die konkrete Umsetzungsphase, mit Marktstart für die erste Jahreshälfte 2027.
Wer steht hinter dem Projekt
Neben den US-Großbanken haben sich laut einer am Dienstag auf der Wells-Fargo-Website veröffentlichten Mitteilung auch TD, Scotiabank, UBS, Santander, BBVA, Deutsche Bank, Commerzbank, Lloyds, Crédit Agricole, Rabobank und MUFG dem Vorhaben angeschlossen. Die neue Gesellschaft, deren Name noch nicht feststeht, soll bis Ende des Jahres gegründet werden.
Zunächst ist eine auf den US-Dollar lautende Stablecoin geplant, bevor das Angebot auf weitere G7-Währungen ausgeweitet wird – mit Priorität auf den Euro. Die Betreiber sprechen von einer Lösung, die „bank-grade compliance“, robuste Governance und institutionelles Risikomanagement verbinden soll, mit Einsatzfeldern in Großhandels-, Institutions- und Retail-Märkten sowie im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und bei der Abwicklung digitaler Vermögenswerte.
GENIUS Act als regulatorischer Taktgeber
Der Zeitplan ist kein Zufall: Der Jahresendstart der Gesellschaft liegt kurz vor dem erwarteten Inkrafttreten des GENIUS Act am 18. Januar, der in den USA erstmals einen verbindlichen Rahmen für Stablecoin-Regulierung schafft. Bankvorstände beobachten die Entwicklung seit Monaten mit wachsender Nervosität – Bank-of-America-CEO Brian Moynihan hatte im Januar gewarnt, dass rund 30 bis 35 Prozent der US-Einlagen im Bankensystem, umgerechnet bis zu 6 Billionen US-Dollar, in Stablecoins abwandern könnten, wie Cryptonews berichtete.
Das Vorhaben ist damit auch eine defensive Reaktion auf ein Umfeld, in dem krypto-native Emittenten wie Tether und Circle über Jahre einen Markt aufgebaut haben, den regulierte Institute erst jetzt ernsthaft angehen. Wer die Infrastruktur für digitales Zentralbankgeld-nahes Settlement mitgestaltet, sichert sich auch die Kontrolle über künftige Zahlungsflüsse.

Konkurrenz und Randnotizen
Auffällig ist die geringe Überschneidung mit einem zweiten großen Stablecoin-Projekt: Vor zwei Monaten hatten mehr als 140 Unternehmen, darunter Visa, Mastercard, American Express, Stripe, Chime, Coinbase und Ripple, ihre Unterstützung für Open USD signalisiert. Einzige gemeinsame Partei beider Initiativen ist die spanische BBVA – ein Hinweis darauf, dass sich zwei getrennte Lager formieren, während JPMorgan Chase auf keiner der beiden Listen auftaucht und stattdessen weiter auf die eigene tokenisierte Einlage JPM Coin setzt.
Zeitgleich haben sich US-Bankenverbände auf eine eigene, bankengeführte Blockchain-Plattform namens BankChain Alliance verständigt, die für Treasury-Management und Supply-Chain-Finance ab der ersten Jahreshälfte 2027 starten soll. Wer im Wettbewerb um dollarbasierte digitale Werte mithalten will, kommt an vergleichbaren Projekten wie Ripples RLUSD ohnehin nicht vorbei, das als krypto-native Alternative bereits Liquidität aufgebaut hat.
Stimmen aus Politik und Aufsicht
US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnet Stablecoins als digitale Revolution, die die Dollar-Reservewährungsposition zementieren und Nachfrage nach Billionen an Staatsanleihen schaffen könne. Differenzierter äußert sich Pablo Hernández de Cos, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Bei der Jackson-Hole-Konferenz der Fed argumentierte er, tokenisierte Einlagen sollten den Großteil des alltäglichen Zahlungsverkehrs abdecken, während Stablecoins eher spezialisierte Rollen einnehmen sollten – zugleich könnten laut de Cos Finanzierungskosten der Banken steigen, wenn Einlagen abwandern, wie Reuters berichtete.

Was das für den Markt bedeutet
Für Anleger ist die Botschaft eindeutig: Der Stablecoin-Markt wird 2027 nicht mehr von Tether und Circle allein dominiert, sondern von mindestens drei konkurrierenden Modellen – bankengeführt, konsortial über Open USD und krypto-nativ. Wie sich Liquidität und Marktanteile zwischen diesen Lagern verteilen, dürfte sich erst nach dem Inkrafttreten des GENIUS Act und der für 2027 geplanten Markteinführungen konkret abzeichnen.